Donnerstag, 8. Januar 2015

Frei? Von wegen!

Das Folgende ist als kleiner Trost für alle Angestellten gedacht, die gelegentlich neidisch auf uns FreiberuflerInnen schauen. Weil sie glauben, dass wir unsere Tätigkeit in voller Freiheit ausüben, wie ja schon das Wort vorgibt. Dem ist jedoch keineswegs so, wie ich kürzlich in einem meiner Arbeitsbereiche, dem Journalismus, feststellen durfte:
Ich schreibe ziemlich regelmäßig für verschiedene Zeitschriften zu psychologischen Themen. Bis vor einiger Zeit lief das noch so ab: Ich schrieb. Der Artikel oder Psycho-Test wurde veröffentlicht und mit einem Honorar abgegolten. Das war´s. Die Rechte an meinem geistigen Eigentum blieben weiterhin bei mir.
Nun  ist alles anders. Mir kommen seitenlange Verträge ins Haus. In denen werde ich aufgefordert, sämtliche Rechte an meinen Werken abzutreten. Da die Verlage noch mehr Magazine herausgeben als dasjenige, für das die Veröffentlichung geplant ist, gehört dazu auch die kostenlose Weitergabe an sämtliche anderen Gazetten im In- und Ausland, ohne dass ich gefragt werde. Außerdem gilt es für alle elektronischen Medien - nicht nur für die, die es schon gibt, sondern auch für diejenigen, die demnächst erfunden werden. Ebenso beinhaltet es die Weitergabe meines Werkes an Dritte, sowie beliebige Veränderungen. Das Ganze auch noch rückwirkend.
 Kurz und gut, mir gehört von meinem geistigen Eigentum nach Abgabe des Manuskriptes nichts mehr. Am Anfang habe ich noch empört im Vertrag herumgestrichen, bevor ich ihn zurückschickte. Hätte ich mir sparen können. Ich bekam die Antwort, wenn ich das nicht in vollem Umfang unterschreibe, könne man leider nicht mehr mit mir zusammenarbeiten. Erpressung ist doch eigentlich strafbar, oder? Nun ja, den nächsten Vertrag dieser Art habe ich dann zähneknirschend unterzeichnet.  Schließlich möchte ich die Möglichkeit, das gute psychologische Handwerkszeug durch die Medien zu verbreiten, nicht einfach aufgeben.
 Aber ich konnte mir nicht verkneifen, auf ein beigelegtes Kärtchen zu schreiben:
"Darf ich Ihnen auch noch meine Seele verkaufen?"  Ich bin sicher, man hat in der Rechtsbateilung etwas irritiert geguckt.

1 Kommentare:

Anonymous Anonym meinte...

Frei? Wer ist im Leben frei? Wir sind doch alle voneinander abhängig! Was ist gerecht? Werden wir gerecht bezahlt? Ich denke z.B. an die Mitarbeiter der Müllabfuhr, Reinigungskräfte oder Bauarbeiter. Werden wir nicht alle ausgenutzt und sind Nutznießer von der Arbeit anderer? Wird die Welt gerecht werden? Wir können doch wirklich nur bei uns selbst beginnen und großzügig und dankbar sein für das, was wir leisten können und was wir durch die Leistung anderer
auch unbewusst erhalten. Dankbarkeit ohne Demut geht doch nicht. Alle Menschen sollten sich dies bewusst machen und nicht nur egoistisch denken nach dem Motto: Was habe ich davon? Dazu passt wirklich gut das Zitat von Ihrem Aphorismen-Blog über Gewinn von John Ruskin. Ohne Geld geht es natürlich nicht! Wie wird die Welt in 100 Jahren aussehen?

8. Januar 2015 um 23:10  

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