Direkt zum Hauptbereich

Frei? Von wegen!

Das Folgende ist als kleiner Trost für alle Angestellten gedacht, die gelegentlich neidisch auf uns FreiberuflerInnen schauen. Weil sie glauben, dass wir unsere Tätigkeit in voller Freiheit ausüben, wie ja schon das Wort vorgibt. Dem ist jedoch keineswegs so, wie ich kürzlich in einem meiner Arbeitsbereiche, dem Journalismus, feststellen durfte:
Ich schreibe ziemlich regelmäßig für verschiedene Zeitschriften zu psychologischen Themen. Bis vor einiger Zeit lief das noch so ab: Ich schrieb. Der Artikel oder Psycho-Test wurde veröffentlicht und mit einem Honorar abgegolten. Das war´s. Die Rechte an meinem geistigen Eigentum blieben weiterhin bei mir.
Nun  ist alles anders. Mir kommen seitenlange Verträge ins Haus. In denen werde ich aufgefordert, sämtliche Rechte an meinen Werken abzutreten. Da die Verlage noch mehr Magazine herausgeben als dasjenige, für das die Veröffentlichung geplant ist, gehört dazu auch die kostenlose Weitergabe an sämtliche anderen Gazetten im In- und Ausland, ohne dass ich gefragt werde. Außerdem gilt es für alle elektronischen Medien - nicht nur für die, die es schon gibt, sondern auch für diejenigen, die demnächst erfunden werden. Ebenso beinhaltet es die Weitergabe meines Werkes an Dritte, sowie beliebige Veränderungen. Das Ganze auch noch rückwirkend.
 Kurz und gut, mir gehört von meinem geistigen Eigentum nach Abgabe des Manuskriptes nichts mehr. Am Anfang habe ich noch empört im Vertrag herumgestrichen, bevor ich ihn zurückschickte. Hätte ich mir sparen können. Ich bekam die Antwort, wenn ich das nicht in vollem Umfang unterschreibe, könne man leider nicht mehr mit mir zusammenarbeiten. Erpressung ist doch eigentlich strafbar, oder? Nun ja, den nächsten Vertrag dieser Art habe ich dann zähneknirschend unterzeichnet.  Schließlich möchte ich die Möglichkeit, das gute psychologische Handwerkszeug durch die Medien zu verbreiten, nicht einfach aufgeben.
 Aber ich konnte mir nicht verkneifen, auf ein beigelegtes Kärtchen zu schreiben:
"Darf ich Ihnen auch noch meine Seele verkaufen?"  Ich bin sicher, man hat in der Rechtsbateilung etwas irritiert geguckt.

Kommentare

  1. Frei? Wer ist im Leben frei? Wir sind doch alle voneinander abhängig! Was ist gerecht? Werden wir gerecht bezahlt? Ich denke z.B. an die Mitarbeiter der Müllabfuhr, Reinigungskräfte oder Bauarbeiter. Werden wir nicht alle ausgenutzt und sind Nutznießer von der Arbeit anderer? Wird die Welt gerecht werden? Wir können doch wirklich nur bei uns selbst beginnen und großzügig und dankbar sein für das, was wir leisten können und was wir durch die Leistung anderer
    auch unbewusst erhalten. Dankbarkeit ohne Demut geht doch nicht. Alle Menschen sollten sich dies bewusst machen und nicht nur egoistisch denken nach dem Motto: Was habe ich davon? Dazu passt wirklich gut das Zitat von Ihrem Aphorismen-Blog über Gewinn von John Ruskin. Ohne Geld geht es natürlich nicht! Wie wird die Welt in 100 Jahren aussehen?

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Ruhe bitte!

Die Autorin Regina Kramer schreibt in einem Artikel: „Lärm ist nicht nur eins auf die Ohren, sondern auch auf Psyche.“ Sie hat ja so Recht! Ich weiß, wovon ich rede: Unter unsere Wohnung in einem schönen, aber hellhörigen Altbau sind seit einiger Zeit drei koreanische Musikstudentinnen eingezogen. Seitdem wird gerne zwischen 11.00 Uhr und 19.00 Uhr Geige geübt. Nicht etwa zusammenhängende Melodien, sondern einzelne Töne, die an die Laute einer malträtierte Katze erinnern. Aber mir bleibt ja noch die Flucht ins Büro. Nur, seit einem halben Jahr hat unter meinen Räumen ein Laden für Shishas (Wasserpfeifen) eröffnet. Offenbar ist Musik dem Verkauf förderlich, jedenfalls höre ich die Bässe wummern. Nachdem ich mehrfach wie ein Racheengel im Laden aufgetreten bin, ist es derzeit ruhig. Zu empfindlich? Oh nein, ich habe die Hirnforschung auf meiner Seite: Laute Geräusche mindern die Informationsverarbeitung im Gehirn und blockieren die Kreativität. Aber als Psychologin weiß ich auch...

Und es hat sich doch schon etwas geändert!

Karfreitag war ich als Autorin des Buches "Einsam" zu Gast in der Sendung "Lebenswert" zum Thema "Einsamkeit" im Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main. Es ging darum, wie man es schaffen kann, gut mit sich alleine zu sein und wie sich die schmerzliche Einsamkeit überwinden lässt. Das Besondere der zweistündigen Sendung, die immer zu Feiertagen ausgestrahlt wird, ist, dass Zuhörer und Zuhörerinnen anrufen und sich beteiligen können. Der Moderator Klaus Hofmeister hatte es  thematisch so angelegt, dass es um die positiven Möglichkeiten ging. Vor Beginn hatte er etwas Sorge, dass sich vielleicht niemand zu diesem heiklen Thema melden  würde. Ich tröstete ihn, dass ich gegebenenfalls mit meinen Ratschlägen  locker zwei Stunden füllen könnte. Aber das war wahrhaftig nicht nötig, so viele Männer und Frauen riefen an und teilten mit uns ihre Strategien, Einsamkeit zu überwinden.Ich war absolut begeistert, wie positiv und selbstbestimmt sie ihren Weg gefunden h...

Waldbaden

Hätten Sie´s gewusst? Rund ein Drittel Deutschlands ist von Wald bedeckt. Wohl jeder von uns dürfte also zumindest ein Wäldchen in der Nähe haben und gelegentlich in seiner Freizeit einen Waldspaziergang machen. Gewiss hat man dann auch schon erlebt, wie erholsam es ist, sich bei Vogelgezwitscher unter Buchen, Tannen oder Eichen fortzubewegen. Doch diese einfache Freude erhält jetzt eine schicke Überhöhung. Der neue Trend heißt „Baden in der Waldluft“. Er kommt aus Japan, wo er unter dem Begriff „Shirin-Yoku“ bekannt ist. Durch Ruhe, bewusstes Atmen und Spüren der Natur soll Stress vermindert werden. Aha! Inzwischen werden schon für teures Geld Kurse in Waldbaden angeboten. Für mein Shirin-Yoku in den Wäldern um den Plöner See brauche ich zum Glück keine Anleitung.