Sonntag, 26. Februar 2017

Buchhaltung



Wenn ich mich im öffentlichen Nahverkehr so umschaue, tippen meist 90 Prozent der Fahrgäste auf ihre Smartphones. Doch manchmal sehe ich tatsächlich jemanden mit einem Buch in der Hand! Dann bin ich versucht, hinzugehen und ihm zu dieser Eigenwilligkeit zu gratulieren. Man kann allmählich glauben, das Bücherlesen sei ein exotisches Hobby.
Dazu passt die Anekdote von der Dame, die beim Kauf eines Buches stolz verkündete, der Trend gehe ja zum Zweitbuch. Über den früheren US-Präsidenten George Bush hieß es, er sei untröstlich, dass seine private Bibliothek abgebrannt sei. Beide Bücher seien ein Opfer der Flammen geworden. Und der Kabarettist Dieter Hildebrand meinte, der Begriff „Bildung“ habe nichts mit Büchern zu tun, sondern käme wohl von „Bildschirm“ – sonst hieße es ja „Buchung“.
Trotzdem, ich bewahre die Hoffnung: Das Buch lebt. Und ich kann den Genuss eines guten Buches nur jedem empfehlen. (Siehe dazu auch mein Rezensionsblog www.wlodarek-rezensionen.blogspot.de )

Freitag, 17. Februar 2017

Krümelmonster



Verhaltensforscher habe ein interessantes Experiment gemacht: Sie luden drei Personen zu einem Meeting ein. Auf dem Tisch stand ein Teller mit fünf Keksen. Den letzten liegen zu lassen, gebietet die gute Erziehung, den würde also keiner anrühren. Die Frage war deshalb: Wenn jeder schon einmal zugegriffen hat, wer isst dann den vierten Keks? So oft das Experiment auch wiederholt wurde, jedes Mal war es die dominante Person in der Runde. Natürlich ging es nicht darum, wem das Gebäck am besten schmeckt. Die Untersuchung belegt vielmehr: Dominanz verringert die Hemmung und führt dazu, sich egoistisch zu verhalten. Eine übertriebene Ausdeutung? Nicht unbedingt. Tatsächlich scheinen Menschen in höheren Positionen häufig ihre Sozialkompetenz zu verlieren. Je höher sie aufsteigen, desto weniger hilfsbereit, empathisch und wertschätzend sind sie. Der Personalentwickler Joachim Pawlik sieht die Keksgeschichte deshalb symbolisch und rät Führungskräften: „Sollten Sie wieder einmal einfach den vierten Keks essen wollen, dann halten Sie für eine Sekunde inne und denken Sie nach, was Sie da gerade tun.“ Es könnte ja ein kleines Zeichen dafür sein, dass man seine Teamfähigkeit verloren hat.

Montag, 6. Februar 2017

Gute Nacht!



Schlafen Sie gut? Das hätte jedenfalls eine noch größere Bedeutung als nur pure Erholung. WissenschaftlerInnen der Uni-Klinik Freiburg glauben nämlich, die wesentliche Funktion des Schlafes entschlüsselt zu haben. Das Team von Professor Christoph Nissen, dem Leiter des Schlaflabors, entdeckte, dass während des Schlafes die Aktivität der Nervenzellverbindungen im Gehirn reduziert wird. Damit konnten sie erstmals beim Menschen nachweisen, dass im Schlaf Platz für neue Informationen geschaffen wird. Mehr Platz im Gehirn ist eine Voraussetzung für neue Inhalte, das heißt auch fürs Lernen.  Offenbar ist Schlaf notwendig, damit wir uns weiterentwickeln können. Bildlich ausgedrückt räumt unser Gehirn im Schlaf auf. Es lohnt sich also, ihm  genügend Zeit zu geben, seine Arbeit zu tun. 

Samstag, 28. Januar 2017

Nicht aufgeben



Das neue Jahr ist nun einen Monat alt. Da darf man schon einmal Bilanz ziehen, was denn aus den Silvester-Vorsätzen geworden ist. Nichts?
Dann tragen Sie hier doch bitte alle Gründe ein, warum es bisher nicht geklappt hat.: _________________________________________
Ich reiche gerne auch noch ein physiologisches Argument nach: Unser Gehirn ist auf Energiesparen eingerichtet. Es sorgt dafür, dass wir uns nicht überanstrengen, sondern auf Autopilot möglichst immer dasselbe tun.
Deshalb mein Tipp für alle, die noch nicht aufgeben möchten: Wenden Sie für Ihre guten Vorsätze das japanische Kaizen an. Der Erfolg beruht auf Verbesserungen, die so winzig sind, dass sie unter unserem Gehirnradar laufen. Also nicht die Nulldiät, sondern statt der großen nur die kleine Tüte Pommes frites. Nicht jeden Tag Joggen im Park, sondern ein paar Dehnübungen abends vor dem Fernseher.
Wenig ist besser als gar nichts - und es ist die Basis für mehr. In diesem Sinne: Geben Sie nicht auf.

Dienstag, 10. Januar 2017

Glücksbilanz



In einer Studie fanden Forscher heraus, dass ein unangenehmes Ereignis am Tag von drei positiven Erlebnissen aufgewogen wird. Für eine positive Tagesbilanz sollte das Ergebnis also mindestens 1: 3 sein. Das wirkt sich gravierend aus, wir sind dann offener, kreativer und entwickeln leichter neue Fähigkeiten.
Doch wie bekommt man diese Bilanz hin? Ein unangenehmes Ereignis lässt sich nicht immer vermeiden, aber die positiven drei Erlebnisse können wir uns selbst verschaffen. Mein Tipp: Schreiben Sie eine Liste aller Dinge, Genüsse oder Tätigkeiten, die Sie glücklich machen, zum Beispiel Ihre Lieblingsmusik, ein gutes Essen, sportliche Betätigung, ein Treffen mit Freunden. Setzen Sie die dann bewusst ein. Es dürfen auch gerne mehr als drei sein!

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Mehr Gleichberechtigung



Ich bin für die Frauen-Quote und habe sogar mal mit einem Benefizvortrag die Journalistinnen-Initiative ProQuote unterstützt. Dass Gleichberechtigung nicht nur einen nachweisbaren Vorteil für westliche Arbeitsergebnisse bringt, sondern lebensnotwendig ist, hat jetzt die Welternährungsorganisation FAO belegt:  
Hätten Frauen in ländlichen Regionen der Welt die gleichen Chancen wie Männer, würden Millionen Menschen weniger Hunger leiden. Um fast ein Drittel ließen sich die Ernteerträge steigern. Vor allem zeigt die Erfahrung, dass Frauen den größten Teil ihres Einkommens in die Versorgung der Familie und die Ausbildung der Kinder investieren. Auf diese Weise könnte der Teufelskreis der Armut durchbrochen werden. Doch obwohl Frauen weitaus mehr Feldarbeit leisten als die Männer, gehört ihnen derzeit nur ein Bruchteil des Agrarlandes. Das sollte sich ändern. Kanayo Nwanze vom International Fund for Agricultural Development bringt es auf den Punkt: „Wer einen Mann fördert, investiert in ein Individuum, wer eine Frau fördert, investiert in die Gemeinschaft.“ Ist das nicht auch ein schönes Argument für unsere Quote?