Samstag, 17. September 2016

Schreib mal wieder



„Persönliche Briefe werden nicht mehr so oft geschrieben. Vermisst denn niemand das Gefühl, so einen Brief in den Händen zu halten? Schon die Öffnung des Umschlags hat einen Moment der Neugier, Erwartung, Freude und man ist ein wenig aufgeregt.“ Diese Sätze einer Freundin, die sie mir in einem Brief (!) schrieb, beschreiben für mich sehr schön, was es bedeutet, Post zu bekommen. Und eben nicht Rechnungen oder Werbung, sondern echte Lebenszeichen. Ich teile auch ihr Bedauern, dass die Schreibkultur offenbar zurückgegangen ist. Emails können einen Brief einfach nicht ersetzen. Sie sind schneller, kürzer, kühler, mehr für aktuelle Nachrichten. Es fühlt sich anders an, wenn man in Ruhe an jemanden denkt und ihm etwas schreibt, das nicht mit einem Mausklick wieder gelöscht werden kann. Ähnliches gilt für den Empfang. Die Post aus dem Briefkasten zu nehmen und schon beim flüchtigen Durchsehen die Handschrift eines Menschen zu erkennen, den man mag, verursacht tatsächlich einen kleinen freudigen Herz-Hüpfer. Ich steigere das meist noch, indem ich den Brief ungeöffnet eine Weile liegen lasse und ihn später gemütlich bei einer Tasse Kaffee lese.
Das Vergnügen, Briefe zu schreiben und zu bekommen, sollten wir uns viel öfter gönnen.

Montag, 5. September 2016

Ja oder nein?



Kürzlich bekam ich ein interessantes Buch in die Hände (siehe auch „Nein heißt nicht immer Nein“ auf meinem Rezensionsblog www.wlodarek-rezensionen.blogspot.de). Der Autor litt stark unter Zurückweisungen. Sie hinderten ihn, seinen Lebenstraum entschieden anzugehen. Verzweifelt unternahm er einen Selbstversuch, den man in der Verhaltenstherapie als systematische Desensibilisierung bezeichnet: Er beschloss, hundert Tage lang regelmäßig Forderungen zu stellen, um eventuell ein Nein zu kassieren und sich auf diese Weise dagegen abzuhärten. Seine Wünsche waren meist absurd, wie etwa fünf Donuts in Form von olympischen Ringen oder sich im Hundesalon die Haare schneiden zu lassen.
Zu unsinnigen Mutproben habe ich zwar keine Lust, doch die Idee als solche finde ich faszinierend. Deshalb habe ich beschlossen, ebenfalls das Experiment zu machen und insgesamt hundert Wünsche auszusprechen, die ich normalerweise nicht äußern würde. Etwa weil ich es aufdringlich finde oder glaube, es hätte ja doch keine Chance auf Erfüllung. Mein erster geht an Sie, liebe Leserin oder lieber Leser dieses Blogs: Wenn Sie eines meiner Bücher gelesen haben, schreiben Sie bitte dazu eine Beurteilung für Amazon. Ich bin gespannt, ob ich ein Nein kassiere oder ein Ja.
Und vielleicht haben Sie ja auch Lust, dieses Experiment für sich zu machen?

Dienstag, 30. August 2016

Geben ist seliger als Nehmen



Adam Grant, Professor für Organisationspsychologie an der Universität von Philadelphia, lehrt seine Studenten eine ungewöhnliche Karriereplanung: Das Geben. Darüber hat er geforscht und Bücher geschrieben, aber vor allem lebt er es selbst. Grant ist davon überzeugt, dass hilfreiche Menschen, die er „Geber“ nennt, im Leben Erfolg haben, weil sie anderen großzügig schenken, was sie zur Verfügung haben, etwa Zeit, Geld, Aufmerksamkeit oder Kontakte. Sie teilen und helfen gerne, ohne auf Rückerstattung zu spekulieren. Dabei  handelt es sich aber keineswegs um Menschen mit übertriebenem Helfersyndrom, sondern solche, die durchaus Grenzen setzen können, wenn es nötig ist.  
Die These „Geben macht erfolgreich“ widerspricht der gängigen Vorstellung, dass Egoismus und Konkurrenzverhalten weiterbringen. Doch sowohl Grant als auch seine Kollegen von der Stanford University konnten in Langzeituntersuchungen belegen, dass Menschen, die viel geben, auch für sich selbst die besten Ergebnisse erzielten. Wie das kommt? Egoisten, als „Nehmer“ bezeichnet, steigen zwar schneller auf, doch auf dem Weg dorthin machen sie sich viele Feinde und programmieren so ihren Absturz vor.
Eine gute Anregung, großzügig zu geben. Schließlich ist nun auch wissenschaftlich bewiesen, dass es sich lohnt. Neu ist die Einstellung allerdings nicht. Dahinter steckt das Gesetz der Anziehung.   

Samstag, 20. August 2016

Tödlicher Kick



Unter der Überschrift „Tödliche Leidenschaft“ lese ich eine traurige Nachricht in der Zeitung: Der 30jähriger Extremsportstar Uli Emanuele ist beim Sprung von einer Felswand tödlich verunglückt. „Basejumping“ nennt sich das gefährliche Fallschirmspringen von Brücken oder Felsen statt aus einem Flugzeug. Seit Anfang der 80er Jahre sind dabei bereits mehr als 260 Basejumper umgekommen. Als Uli Emanuele im vergangenen September in der Talkshow von Markus Lanz zu Gast war, sprach er darüber, was ihn persönlich antrieb: Er habe vor seinen waghalsigen Sprüngen zwar oft Angst, aber das nehme er auf sich, um sich lebendig zu fühlen. Ich habe mir schon oft Gedanken darüber gemacht, was Menschen, wie etwa auch den Bergsteiger Reinhold Messner, dazu bringt, ihr Leben so aufs Spiel zu setzen. Emanueles Aussage bestätigt meine Vermutung: Ihnen fällt es schwer, sich selbst zu spüren, sie brauchen dazu extreme Gefühle. Offenbar wissen sie nicht, dass die wahren Abenteuer in unserem Inneren stattfinden. Authentisch zu sein, ehrlich zu sich selbst sein, sich anderen offen zu zeigen, Probleme mutig anzugehen – auch das macht oft große Angst. Aber die ist konstruktiv, nicht so destruktiv wie ein Extremsport. Diese Art von „Basejumping“ bringt uns im Leben weiter, ohne tödliche Gefahr..

Montag, 8. August 2016

Wer´s glaubt...



Die Shopping-App einer bekannten Fernseh-Blondine wurde mehrere tausend Mal heruntergeladen – ein Beispiel für erfolgreiche Werbung mit Prominenten. Weitere Spitzenreiter sind etwa Franz Beckenbauer, Til Schweiger, Helene Fischer, der Fußballer Thomas Müller und der Tennisspieler Roger Federer. Beliebtheit wird benutzt, um bei den Verbrauchern Vertrauen für ein Produkt zu gewinnen. Aber glauben wir ernsthaft, dass Heidi Klum einen fetten Hamburger genießt und George Clooney bei einem Tässchen Nespresso flirtet? Offenbar ja, denn Untersuchungsergebnisse belegen eindeutig: Das sogenannte Celebrity Marketing boomt. Bekannte Gesichter schmücken inzwischen mindestens zwanzig Prozent der Anzeigen. Und tatsächlich gaben mehr als die Hälfte der befragten Konsumenten an, dass diese Art der Werbung sie stärker erreicht als solche ohne Promi-Testimonial. Als Psychologin frage ich mich, warum das funktioniert. Eine Erklärung: Bekanntes und Vertrautes finden wir sympathisch und ziehen es dem Unbekannten vor. Den oder die kenne ich, also muss das Produkt ja gut sein. Das kaufe ich. Hinzu kommt ein Vorbildeffekt, den der jeweilige Star für seine Fans hat. Allerdings muss das Produkt zum Werbeträger passen, sonst schadet die Allianz mehr als dass sie nutzt. Insofern bedeutet diese Art der Werbung auch eine Charakteristik der prominenten Person. Dazu ein interessantes Gedankenspiel für Nicht-Promis: Für welches Produkt könnten Sie stehen?   

Dienstag, 19. Juli 2016

Erdmännchen - eine Filmkritik



Der Film „Toni Erdmann“ wurde auf allen Kanälen überschwänglich gelobt: Ganz Cannes war beim Filmfestival während der Vorführung aus dem Häuschen. Der Spiegel überschlug sich vor Lob. Das Hamburger Abendblatt schrieb: Ein Film zum Niederknien. Die TV-Kino-Specials rieten: Unbedingt anschauen. Von so viel Lob animiert habe ich mir den Film angesehen. Und habe das Kino enttäuscht und verärgert  verlassen. Vielleicht bin ich mit meiner Kritik die die Einzige, aber ich fand den Film nichtssagend. Sicher, er war gut gemacht, hatte seine komischen und auch anrührenden Momente, war perfekt besetzt - aber insgesamt hat er mich nicht berührt. Ich fand ihn unglaubwürdig und klamaukig. Ein bisschen Generationendissens, ein bisschen Blick hinter die McKinsey-Kulissen. Und?
Ich habe mich im Kino schon amüsiert, geweint oder lange über das nachgedacht, was ich gesehen habe. Hier nichts von alledem.
Ach ja, gelernt habe ich trotzdem etwas: Ich glaube definitiv keinem Kino-Hype mehr, sondern verlasse mich in Zukunft darauf, ob ich die SchauspielerInnen oder den Regisseur/die Regisseurin mag.
Meine Filmkritik ist natürlich völlig subjektiv und will niemandem den Spaß nehmen. Meine neugierige Frage ist nur: Stehe ich mit meinem Urteil alleine da? Um Antwort wird gebeten.