Donnerstag, 30. Mai 2013

FILMKRITIK

Lesen Sie Filmkritiken, bevor Sie ins Kino gehen? Dann sind Sie sicher auch manchmal erstaunt, wie wenig sich die Beurteilung in den Medien mit der eigenen Wahrnehmung deckt.
Da schreibt einer, die Protagonisten würden nicht berühren und vergibt von fünf möglichen Sternen knappe drei. Ich sehe mir das Werk trotzdem an und sitze berührt im Sessel, bis der gesamte Abspann vorbei ist.
Ein Rezensent  lobt einen Film in den höchsten Tönen. Der sei unglaublich tiefgründig und subtil. Ich falle prompt darauf herein und sitze in einem grottenlangweiligen Film, in dem die Schauspieler in Zeitlupe agieren.
Einen hochgelobten gesellschaftsrelevanten Film finde ich einfach nur hässlich, während ein angeblich kitschiger Film sich als hinreißend romantische Geschichte entpuppt.

Wer hat denn nun recht, die Rezensenten oder ich? Beide. Weil Vorlieben nun mal ganz individuell sind.
Also gar keine Rezensionen lesen? Mein Tipp: Wenn Ihre persönliche Erfahrung schon öfter mit der eines  Rezensenten übereingestimmt hat, dann merken Sie sich den Namen. Sie haben offenbar den gleichen Geschmack und können weiteren Hinweisen vertrauen.
Ansonsten, riskieren Sie es und bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil. Ich habe es heute getan. Die Rezension: Bunt, schrill, kalt, fehlbesetzt. Mein Fazit: Interessant, gut gemacht, genau richtig gecastet.
Raten Sie mal, wie der Film hieß.   

Dienstag, 14. Mai 2013

Und was ist mit mir?

Am Samstag habe ich einen Vortrag auf dem Kongress "Frauen mit besonderen Herausforderungen" in Berlin gehalten. "Besondere Herausforderungen" ist eine harmlose Umschreibung für das Schicksal dieser Frauen. Es handelte sich nämlich um die Mütter behinderter Kinder. Diese Kinder müssen meist rund um die Uhr betreut werden. Darüber hinaus haben manche von ihnen so schwere Beeinträchtigungen, dass man immer wieder um ihr Leben bangt.

Die Geschichten, die ich in informellen Gesprächen erfuhr, gingen mir sehr nahe. Wie die der Mutter, deren Sohn häufig epileptische Anfälle bekommt und dann mit Blaulicht ins Krankenhaus gefahren wird. "Niemand fragt danach, wie ich damit fertig werde, dass ich jedesmal Todesangst um mein Kind habe." sagte sie.

Verständlicher Weise stehen zunächst die Kinder im Mittelpunkt. Aber darüber werden leicht diejenigen vergessen, die emotional ganz dicht bei ihnen sind.Sie müssen selbst zusehen, wie sie nach solchen Erlebnissen wieder ins Gleichgewicht kommen. Dabei täte oft schon die einfache Frage gut: "Wie geht es dir?" 
Wenn uns das Schicksal schon nicht vor so große Herauforderungen gestellt hat wie diese Mütter, dann ist es sicher nicht zu viel verlangt, bei einer Begegnung einmal genauer nachzufragen, wie es ihnen geht und ihnen zuzuhören.