Freitag, 30. Oktober 2015

One world



Heute möchte ich meinen Blog einmal mit fremden Federn schmücken. Sie stammen von Oprah Winfrey, der bekannten US-Talkmasterin. In einer Kolumne schrieb sie zur Überschwemmung durch den Hurrican Katrina:
„Eines weiß ich genau: Aus jeder Katastrophe können wir eine Menge lernen, und eine der wichtigsten Lektionen ist diese: Solange wir uns auf eine Position des `Wir und die da` zurückziehen, werden wir uns nicht weiterentwickeln, weder als Person noch als Nation, noch als Weltgemeinschaft. Katrina hat uns die Möglichkeit gegeben, unsere Herzen zu öffnen und unser Mitgefühl zu zeigen. (…)
Vieles von dem, was nach Katrina geschah, ist als menschliches Versagen zu bezeichnen. Und wir haben eine Menge Schuldzuweisungen zu hören bekommen. Doch dieser Sturm zeigte auch, dass in Augenblicken der Verzweiflung, der Angst, der Hilflosigkeit jeder von uns ein Quell der Hoffnung sein kann, wenn wir danach streben, uns freundlich und gütig die Hand zu reichen. Eines weiß ich wirklich ganz sicher: `Die da` gibt es nicht – es gibt nur uns.“

Ich wünsche mir, dass wir das auch bei unseren Herausforderungen so sehen können.

(Der Text stammt aus dem Buch „Was ich vom Leben lernte“, das ich demnächst auch auf meinen Rezensionsblog bespreche).

Montag, 26. Oktober 2015

Ruhe bitte!



Die Autorin Regina Kramer schreibt in einem Artikel: „Lärm ist nicht nur eins auf die Ohren, sondern auch auf Psyche.“ Sie hat ja so Recht!
Ich weiß, wovon ich rede: Unter unsere Wohnung in einem schönen, aber hellhörigen Altbau sind seit einiger Zeit drei koreanische Musikstudentinnen eingezogen. Seitdem wird gerne zwischen 11.00 Uhr und 19.00 Uhr Geige geübt. Nicht etwa zusammenhängende Melodien, sondern einzelne Töne, die an die Laute einer malträtierte Katze erinnern. Aber mir bleibt ja noch die Flucht ins Büro. Nur, seit einem halben Jahr hat unter meinen Räumen ein Laden für Shishas (Wasserpfeifen) eröffnet. Offenbar ist Musik dem Verkauf förderlich, jedenfalls höre ich die Bässe wummern. Nachdem ich mehrfach wie ein Racheengel im Laden aufgetreten bin, ist es derzeit ruhig.
Zu empfindlich? Oh nein, ich habe die Hirnforschung auf meiner Seite: Laute Geräusche mindern die Informationsverarbeitung im Gehirn und blockieren die Kreativität. Aber als Psychologin weiß ich auch, dass es zudem für die Einschätzung des Lärms eine Rolle spielt, wer oder was ihn verursacht. So finden wir Meeresrauschen mit 65 Dezibel sogar angenehm, während uns eine Mücke mit einem Gesirre von 15 Dezibel in den Wahnsinn treibt. Und den lauten Fernseher eines netten Nachbarn finden wir weniger störend als  den eines unangenehmen Hausbewohners. Gegen quietschende Geigen und wummernde Bässe hilft allerdings auch die größte Sympathie nicht.

Samstag, 17. Oktober 2015

Urban Sketchers



Vor kurzem habe ich noch über „Urban Gardening“ berichtet, bei dem Einwohner auf freien Flächen in der Stadt Blumen pflanzen. Jetzt bin ich durch eine Kultursendung im Fernsehen auf die „Urban Sketchers“ („Städtische Zeichner“) aufmerksam geworden. Es handelt sich um eine internationale Gemeinschaft von Künstlern und Amateuren, die Orte zeichnen, in denen sie wohnen. Sie skizzieren Ereignisse des täglichen Lebens, Märkte, Geschäfte, Cafés, Bahnhöfe…Benutzt werden unterschiedliche Materialien, vom Bleistift über Aquarell bis zu digitalen Techniken. Die Zeichnungen halten Szenen fest, sind eine Form von visuellem Journalismus. Dabei werkelt nicht jeder nur vor sich hin, sondern veröffentlicht die Ergebnisse in sozialen Netzwerken. Über Länder hinweg haben sich die Zeichnerinnen und Zeichner zu einer Gruppe zusammengeschlossen, die sich austauscht und sogar zu Symposien trifft, etwa in Santo Domingo oder Barcelona. Gegründet hat diese Bewegung 2007 der Journalist und Illustrator Gabriel Campanario aus Seattle, USA. Seitdem gewinnt die Community und der dazugehörige Blog kontinuierlich an Popularität. Es gibt auch ein Manifest, das die Beteiligten dazu verpflichtet, ihre Umwelt wahrhaftig zu zeichnen.
Mich begeistert diese Form des Wahrnehmens und Kommunizierens. Sie stellt einen Kontrast zu all den Selfies und hektischen Schnappschüssen mit dem Smartphon dar, denn sie erfordert gründliches Hinsehen. In diesem Sinne bin ich ein „Urban Hoper“ (Städtische Hoffende).
Vielleicht sind wir ja auch eine internationale Gruppe?

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Unschuld

Ich habe mich auf die Waage gestellt. Ich bin zu klein.
(Text auf einer Postkarte)
Eine lustig formulierte Tatsache: Wir sehen der Wahrheit ungern ins Auge und suchen Ausreden, die verhindern, dass wir uns ändern.

Freitag, 9. Oktober 2015

Kaperfahrt



Als Kinder haben wir das Lied gesungen: „Alle die mit uns auf Kaperfahrt fahren, müssen Männer mit Bärten sein. Jan und Hein und Klaas und Pitt, die haben Bärte, die dürfen mit.“ Daran fühle ich mich zurzeit erinnert. Ob im Prospekt von Peek & Cloppenburg, ob als Werbung in einer Zeitschrift oder auf dem Spaziergang im Park: Mann trägt offenbar wieder Bart, meist in einer gepflegt gestutzten Vollbart-Version. Dabei handelt es sich nicht etwa um Ü-50-Herren, sondern um junge Männer.
Da frage ich mich als aufmerksame Psychologin: Was bedeutet das? Ich biete dazu zwei Interpretationen an:
·        Der Bart ist eines der letzten verbliebenen Anzeichen von Männlichkeit, das nicht von Frauen kopiert werden kann. Wie soll Mann sich denn sonst noch differenzieren ?
·        Wenn das (Berufs-)Leben einen schon zur Anpassung zwingt, dann möchte Mann wenigstens optisch ein wenig Abenteuer ausstrahlen.
Schon klar, es gibt Wichtigeres, als sich Gedanken über Bärte zu machen. Aber man darf auch die Zeichen der Zeit nicht übersehen. Jan, Hein, Klaas und Pitt teilen uns nonverbal mit, dass sie endlich mal wieder auf Kaperfahrt wollen.

Freitag, 2. Oktober 2015

Farbexperiment



Uns verblüffen optische Täuschungen, wie die, dass sich schwarz-weiße Spiralen auf dem Papier scheinbar drehen, wenn wir darauf schauen. Wahrnehmung funktioniert halt nach dem Motto „Augen an Gehirn – bitte kommen“. So etwas untersucht die Wahrnehmungspsychologie.
Ganz unabsichtlich habe ich nun auch bei einem Wahrnehmungsexperiment mitgemacht:In einer Buchhandlung kaufte ich für eine Freundin ein Buch und bat an der Kasse darum, es als Geschenk zu verpacken. Die Buchhändlerin wies auf eine Reihe Tafeln, auf denen jeweils ein Geschenkpapier-Muster zu sehen war, lustig mit Pünktchen, einfarbig Gelb, bunt gestreift und so weiter. Sie fragte mich, welches ich denn gerne hätte. Ich schaute mir alle an und sagte dann: „Bitte das Grüne mit den pinken Streifen“. „Schön“, sagte die Buchhändlerin. „Sie möchten also die Nummer 8“. Da erst sah ich, dass auf jeder Tafel oben deutlich eine schwarze Nummer stand. „Ach, die Nummer habe ich gar nicht bemerkt.“ staunte ich. „Das passiert 99 % aller Käufer,“ sagte die Buchhändlerin. “Sie beschreiben mir ausführlich die Farben, anstatt die Nummer zu nennen.“ Interessant. Farben wirken offenbar intensiver auf uns als abstrakte Zahlen. Heißt das, Kreativität ist stärker als Logik? Bedeutet es, dass Buchcover mehr über die Farbe wirken als über den Titel? Ich war so fasziniert, das ich fast vergessen hätte, das Buch einzustecken.