Montag, 21. März 2016

Wissenschaft ist eine Kunst



Um es gleich klar zu sagen: Ich finde es gut und richtig, dass Hypothesen verifiziert oder falsifiziert werden und dass Behauptungen belegt werden müssen. Aber manchmal gilt doch das Wort des Dichters Horaz: „Der Berg kreißte und gebar eine Maus“. Auch die Psychologie belegt gelegentlich mit einem Riesenaufwand, was für jeden auf der Hand liegt. So wie in diesem Fall das Ergebnis einer auf einem Kongress vorgestellten Langzeitstudie: „Sehr emotional ausgetragene Konflikte mit erhobener Stimme können in einer Partnerschaft auf eine baldige Trennung oder Scheidung hinweisen.“ Verschleiert wird die Schlichtheit dieser Erkenntnis dann durch die Expertensprache: „Parameter wie Sprachgrundfrequenz und Cortisolausschüttung sind wichtige Indizes emotionaler Erregung.“ Ich darf übersetzen: „Wenn es laut wird und Stresshormone ausgeschüttet werden, regt sich das Paar offenbar gegenseitig auf.“ Und logisch, wenn es das häufig tut, dann steht sicher bald die Trennung ins Haus. 
Von der Relevanz der wissenschaftlichen Erkenntnisse einmal ganz abgesehen - ist es wirklich nötig, alles hochkompliziert zu verpacken, nur um sich Bedeutung zu verschaffen? Manchmal versucht man(n!) nach einem Vortrag oder in einer Talkshow meine (auf wissenschaftlichen Grundlagen basierende!) Aussagen abzuwerten, nur weil ich sie verständlich vermittle. Lieblingsangriff: „Ratschläge aus der Frauenzeitschrift“ oder „Wie in der Brigitte“. Inzwischen regt mich das nicht mehr auf. Kompliziert und abgehoben kann jeder. Verständlich zu sein, ohne banal zu werden, ist eine Kunst.

Mittwoch, 16. März 2016

Schwarzes Gold



Seit Jahren stand in einer Ecke unseres Wohnzimmers ein Schallplattenapprat, ein Turm  mit einem großen Fach für Langspielplatten. Seit meiner Studentenzeit hatte sich da einiges angesammelt. Elvis Presley lehnte sich an die Callas, die Rolling Stones an Wagners Tannhäuser. Aufgelegt hatte die Scheiben seit Jahren keiner mehr. Schließlich gibt es inzwischen alles auf CD oder man kann es sich vom Computer herunterladen. Es wurde endlich Zeit für den alten Kasten, auch wenn er recht dekorativ aussah. Mein Sohn und ein Freund entsorgten ihn, das Teil war ziemlich schwer. Am gleichen Abend sah ich im Fernsehen eine Dokumentation mit dem Titel „Venyl Revival“. (Venyl ist der Stoff, aus dem die schwarzen Scheiben gepresst werden.) Ich erfuhr, dass es riesige Plattenbörsen gibt, wo Sammler bis zu dreißigtausend Euro ausgeben. Im Interview sagten sie mit leuchtenden Augen: „Schallplatten sind etwas Besonderes, sie ermöglichen eine taktile Sinnlichkeit“. Ein anderer schwärmte: „Du kannst die Musik fühlen“. Und: „Das hat eine ganz andere Wertigkeit, die gibt der Musik ihr Gesicht zurück.“ Ach, sie haben ja so recht: Eine Schallplatte vorsichtig zwischen die Hände zu nehmen, sie auf den Plattenteller zu legen, den Tonarm aufzusetzen – das hat schon etwas. Vielleicht habe ich einen Fehler gemacht…    

Freitag, 11. März 2016

Schicksalssymphonie



Nicht erst seit meinen Recherchen für mein Buch „Tango vitale. Tanz mit dem Schicksal – Krisen und Chancen nutzen“ weiß ich, dass das Schicksal manchmal die interessantesten Tricks nutzt, um Menschen an die richtige Stelle zu bringen. Dafür habe ich jetzt wieder einen Beweis:
Der ehemalige ZDF-Korrespondent Knut Terjung erzählt in einem Porträt, dass er sich als junger, engagierter Journalist gewünscht hatte, nach Berlin zum Rias zu gehen. Nur, er hatte keinen Studienabschluss und kaum journalistische Erfahrung. Mutig rief er Werner Höfer an, der damals mit seinem „Internationalen Frühschoppen“ deutschlandweit bekannt war, und bat um einen Termin. Dass dieser prominente Mann ihn überhaupt empfing, war allein einer Namensverwechslung zu verdanken. Ein WDR-Moderator hieß ebenfalls Terjung, allerdings Hermann mit Vornamen. Die Verwechslung fiel erst auf als der junge Journalist schon in der Tür stand. Höfer hörte dem jungen Mann trotzdem zu und empfahl ihn dann einem Chefredakteurskollegen in Berlin.
Wieder einmal eine Bestätigung: Folge deiner Leidenschaft, dann unterstützt dich das Leben.  

Donnerstag, 3. März 2016

Vorleistung



Ich habe es ja schon immer gesagt, zum Beispiel in meinem Buch „Spielregeln des Lebens“ im Kapitel „Zahlen Sie den Preis für Ihr Ziel“: Wenn man Erfolg haben will, muss man oft in Vorleistung gehen. Es scheint so, als ob das „himmlische Personalbüro“ erst einmal testen will, wie beharrlich und diszipliniert wir sind, bevor es uns befördert. Genau das bestätigte mir heute die Reportage über einen Fitnesstrainer, der inzwischen ständig ausgebucht ist und prominente Sportler zu seinen Kunden zählt. Als er in einem großen Hamburger Fitness-Center seinen ersten Kurs anbot, kamen gerade mal zwei Leute. Daraufhin wollte das Management das Angebot streichen. Der Trainer bot jedoch an, den Kurs ein halbes Jahr kostenlos durchzuführen. Sein Einsatz wurde belohnt: Inzwischen drängeln sich bei ihm die Trainingswilligen. Und das nicht mehr umsonst.
Also: An sich glauben und nicht aufgeben! Irgendwann kommt die Resonanz.