Mittwoch, 25. September 2013

Viel Glück!

In letzter Zeit bin ich in Zeitschriften immer wieder auf den Satz "Glück muss man sich erarbeiten" gestoßen.
Als Glücksexpertin - ich habe schließlich meine Dissertation darüber geschrieben - kann ich das natürlich nicht unkommentiert lassen.
Nun ja, so manches Glück wird einem einfach geschenkt, wie zum Beispiel ein gesundes Kind oder eine wunderbare Stimme. Aber darüber hinaus hat der Satz durchaus seine Berechtigung, und zwar in mehrfacher Hinsicht:
Wenn wir aus dem, was uns gegeben ist, nichts machen, ist es mit dem Glück schnell vorbei.
Und  noch wichtiger: Glück ist ein Gefühl, das von äußeren Umständen zwar befördert werden kann, letztlich aber davon unabhängig ist. Das beweisen Untersuchungen mit Lottogewinnern und Unfallopfern. Nach einem ersten Glückstaumel bzw. Schock pendelte sich der Gemütszustand beider Gruppen auf die ursprüngliche Frequenz ein. Die positiven und negativen Erlebnisse wirkten sich also letztlich kaum auf das Glücksgefühl  aus.
Wenn es also darum geht, sich Glück zu erarbeiten, dann heißt das:

*  Mache aus dem, was dir geschenkt wird, das Beste. Lass es nicht brachliegen. Pflege und schätze es. Dann macht es dich glücklich.
* Arbeite an deinem Innenleben. Daran, dankbar, zufrieden und achtsam zu sein, den Glückskillern Neid und Ärger keine Chance zu geben.

In diesem Sinne kann ich den Satz "Glück muss man sich erarbeiten" durchaus unterstreichen.
Aber bitteschön, Glück kann man auch genießen!

Montag, 9. September 2013

Choupette

So viel Zeit habe ich schon lange nicht mehr vor dem Fernseher verbracht, aber es war auch psychologisch zu interessant: Auf VOX gab es einen Abend über den Designer Karl Lagerfeld unter dem Titel "Mode als Religion". Eindeutig, der Mann ist der Papst der Modeszene. Kreativ, brillant. Er versteht sein Handwerk.  Und nicht nur das, ebenso ist er ein Meister der Selbstinszenierung.Dafür setzt er geschickt alle dazu nötigen Verhaltensweisen ein. Wie etwa diese: Distanz wahren, Unabhängigkeit zelebrieren. Selbstironie zeigen. Intelligente Statements abgeben. Auf noble Weise bescheiden sein ("Ich bin doch nicht der Sonnenkönig, das ist albern). Großzügig sein. Günstlinge mit Wohlwollen bestrahlen. Optisch unverwechselbar sein. 

Ich fand es faszinierend, wie sich das auswirkt. Seine Mitarbeiter setzen sich vor lauter Respekt selbst unter Druck setzten. "Ich hoffe, das Karl das gefällt."  "In einer Stunde kommt Karl und will sich das ansehen. Bis dahin müssen wir das geschafft haben." .
Nur eine winzige Schwäche erlaubt sich dieser Mann: Die Amour fou zu seiner Katze Choupette, einem  total verwöhnten Tier. Doch was heißt hier schon Schwäche, auch das wird Teil der Selbstinszenierung.
Eines muss man ihm lassen: Karl Lagerfeld ist eine besondere Persönlichkeit. Oder sollte ich besser sagen: Eine besondere Inszenierung? Manchmal ist das einunddasselbe.