Mittwoch, 18. Mai 2011

Plagiate

Geistiges Eigentum anderer ohne Quellenangabe zu benutzen - ist doch nicht so schlimm? Plagiate in Dissertationen zu entlarven wird derzeit von manchen Kommentatoren in den Medien gerne als neue Variante des Denunziantentums bezeichnet. Mag sein, dass bei einigen Plag-Jägern in ihrer Recherche auch ein Quentchen Neid auf die scheinbar vom Leben Begünstigten mitschwingt, aber man sollte doch bitte Täter und Opfer nicht verwechseln.

Stefan Weber, Medienwissenschaftler und Plagiatsgutachter, sagt: "Das Abschreiben wirft auch immer ein Licht auf den Charakter des Plagiators".

Plagiate sind geistiger Diebstahl.Und der ist für diejenigen, von denen abgekupfert wurde, keineswegs schmeichelhaft, sondern tut weh. Ich erinnere mich noch genau, obwohl es viele Jahre her ist, wie ich mich in so einem Fall fühlte:

Als Studentin schrieb ich für eine psychologische Monatszeitschrift. Ein gutes Heft, das damals aber leider mangels Lesermassen einging. Eines Tages blätterte ich durch ein teures Hochglanzmagazin - und fand zu meiner Überraschung einen meiner Artikel über ein populärwissenschaftliches Thema komplett abgedruckt, allerdings unter dem Namen einer bekannten Autorin. Die Quelle wurde mit keiner Silbe genannt. Empört, jedoch damals ohne Kenntnis meiner Rechte, schrieb ich einen Brief an die Redaktion und beschwerte mich höflich. Ich bekam nicht mal eine Antwort.

Schnee von gestern? Nein, erst heute wieder: Eine große Zeitschrift hat, weil sie das Honorar für meine gute Arbeit nicht zahlen wollte, das Expose eines meiner Psychotests genommen und von jemandem leicht verändert ausführen lassen. Natürlich so verändert, dass sich das Ganze in der Grauzone bewegt und juristisch nicht nachweisbar wäre. Aber ich als Urheberin erkenne durchaus mein geistiges Eigentum.

Meine Meinung: Plagiate sind kein Kavaliersdelikt.

Dienstag, 10. Mai 2011

Heißes Eisen: Flüchten oder Standhalten?

Ein Prominenter hat nach einem prallen Leben Suizid begangen, um den Folgen einer gefürchteten Demenz zu entgehen. Sicher ein zu komplexes Thema für einen kurzen Blog, aber es beschäftigt mich. Schließlich kann jeder von uns die Diagnose Alzheimer bekommen. Und dann?

Ist es richtig, sich der damit verbundenen Persönlichkeitsveränderung, dem Kontrollverlust und der Abhängigkeit zu entziehen? Dafür gibt es keine verbindliche Antwort. Es hängt davon ab, woran wir glauben.

Wenn mit dem Tod tatsächlich alles zuende ist, gibt es keinen Grund, warum man das eigene Leiden nicht abzukürzen sollte. Der finale Schritt erfordert durchaus Mut. Oder doch nicht? Ist es vielleicht sogar Feigheit, sich vor den Herausforderungen des Lebens zu drücken?

Wenn wir glauben, dass es ein Leben nach dem Tode gibt, dass wir auf der Erde sind, um uns zu entwickeln und dass Leiden dazu dient - dann wäre es unklug, es zu vermeiden. Vielleicht fügt dann eine solche Krankheit, die alles Denken auslöscht, unserer Persönlichkeit eine Dimension hinzu, die wir sonst niemals bekommen hätten.

Es wäre vermessen, die Entscheidung eines anderen Menschen zu beurteilen. Sie ist absolut persönlich.

Was würden Sie tun?