Sonntag, 31. Juli 2011

Zeitgeist

Diesen Spruch aus einem Interview mit dem Maler Neo Rauch habe ich mir notiert:

"Wer sich zu sehr mit dem Zeitgeist vermählt, wird auch
mit ihm entsorgt."

Ich interpretiere das so: Wer sich mit seiner Arbeit zu sehr dem aktuellen Trend anpasst, hat zwar kurzfristig Erfolg, verschwindet dann aber auch schnell wieder in der Versenkung.

Nur gut, dass ich mich ohnehin am liebsten mit "ewigen", urmenschlichen Themen wie Liebe, Einsamkeit, Glück, Wünsche oder Schicksal beschäftige. Die haben jedenfalls kein Verfallsdatum.
Meine Fantasie: In fünfzig Jahren findet jemand auf einem (Internet-)Flohmarkt zufällig eines meiner Bücher. Es verändert sein Leben.

Das darf natürlich auch gerne schon früher sein.

Samstag, 23. Juli 2011

Gleich oben ansetzen?

Uschi Obermeier, Ikone der 1967, ist heute Schmuckdesignerin in den USA. Gefragt, warum sie mit ihren Preziosen nur noble Läden wie Bergdorf & Goodman beliefert, sagt sie selbstbewusst: "Mein Motto lautet ´Aim high.´"

Nach oben zu zielen ist durchaus richtig, und zu den Besten gehören zu wollen, ist völlig legitim.

Nur: Es funktioniert kaum, gleich oben anzusetzen. Falls Sie nicht gerade ein Genie auf Ihrem Gebiet sind oder reich geerbt haben, geht es auf dem Weg an die Spitze selten ohne Kompromisse, sofern Sie von Ihrer Tätigkeit leben wollen.

Dann müssen Sie anfangs auch mal einen kleinen Job machen, für weniger Geld arbeiten, mit einem langweiligen Kunden essengehen, sich optisch anpassen.

Das klingt unsexy? Damit wir uns nicht missverstehen: Sie sollen sich weder verleugnen noch verkaufen. Sie haben nur noch nicht das gleiche Maß an Freiheit wie an der Spitze.Ein Steve Jobs von Apple kann in Jeans, Rolli und Sneakers ein neues Produkt präsentieren, bei einem unbekannten ITler käme das vermutlich weniger gut an. (Und übrigens, auch Steve Jobs lief seinerzeit im Anzug auf, als er einen Bankkredit brauchte).

Lassen Sie sich nicht blenden. Der Weg nach oben geht stufenweise. Es sei denn, Sie können fliegen.

Donnerstag, 7. Juli 2011

Auf Augenhöhe

In einer amerikanischen Zeitschrift las ich neulich den Bericht einer Gesellschaftsreporterin. Darin beschrieb sie ein Phänomen, das sie in ihrem Job häufig beobachtet: In der Nähe von Prominenten benehmen sich normale erwachsene Menschen meist äußerst seltsam. Werden stumm vor Ehrfurcht. Tun alles, um mit dem Idol ein paar Worte wechseln zu dürfen oder mit aufs Foto zu kommen. Werden devot. Verhalten sich gekünstelt.

Warum eigentlich schrumpfen Menschen freiwillig auf Zwergengröße, nur weil eine Person berühmt oder bekannt ist? Wir neigen dazu, Menschen, die es in einem Bereich zu etwas gebracht haben, insgesamt als besonders zu betrachten. Damit heben wir sie auf einen Sockel, vor dem wir dann in unseren eigenen Augen kleiner erscheinen.

Bei allem Respekt dafür, dass sich jemand auf einem Gebiet hervortut - sei es in Kunst, Politik, Pop, Wissenschaft, Religion, Literatur, Mode, sei es auch durch Reichtum, Herkunft, Attraktivität oder geschickte Selbst-PR - niemand ist dadurch mehr wert.

Der Journalist Stephan Bartels beschreibt dazu ein Aha-Erlebnis. Vor einem Interview mit Herbert Grönemeyer war er furchtbar aufgeregt. Anschließend resümierte er: "Meine Angst vor dem Gespräch kam mir hinterher lächerlich vor. Ich hatte einfach vergessen, dass hinter der Ikone immer noch ein normaler Mensch steckt."

Es gibt keinen Grund, jemandem nicht auf Augenhöhe zu begegnen. Was bedeutet, keinen Moment den eigenen Wert zu vergessen und selbstbewusst zu bleiben.

Denken Sie bitte daran, wenn Sie demnächst eine Einladung zum Gartenfest der Queen bekommen.