Donnerstag, 28. April 2016

Lass den Kopf nicht hängen



Kennen Sie das Head-down-Syndrom? Diese diagnostische Bezeichnung stammt allerdings nicht aus der Medizin, sondern von amerikanischen Medienwissenschaftlern. Sie bezeichnen damit die Körperhaltung derjenigen, die ständig auf ihr  Smartphone schauen. Hier in Hamburg gehören die vom „Kopf-nach-unten“-Virus Befallenen bereits zum Stadtbild. Zur Feierabendzeit sitzen Zweidrittel der Fahrgäste im Bus mit gesenktem Kopf und beweglichen Daumen. In Cafés, Restaurants sieht es kaum anders aus. Und auf der Straße muss man aufpassen, dass man von den Betroffenen nicht überrannt wird. Noch schlimmer: Die Head-Downer laufen vor Autos, weil sie nicht auf den Verkehr achten. Deshalb testet man derzeit in Augsburg, ob rote Blinklichter an der Bordsteinkante helfen.
Wie wäre es denn damit, gelegentlich den Kopf hochzunehmen und anderen in die Augen zu schauen? Das nennt man direkte Kommunikation. Hiermit rufe ich zum Head-up  auf.


Donnerstag, 14. April 2016

Schwere Kost



Neulich habe ich mal wieder festgestellt: Man kann sich nicht nur überessen, sondern auch überlesen. Die Neigung, Bücher zu verschlingen (welch passendes Wort!), hat sich allerdings bei mir schon früh gezeigt. Als Kind habe ich nächtelang mit der Taschenlampe Karl-May-Bücher gelesen und mich dabei komplett in die Prärie oder ins wilde Kurdistan geträumt. 500 Seiten? Ein Kinderspiel.
Heutzutage fehlt mir zu exzessivem Lesen meist die Zeit, so dass ich Bücher nur in Häppchen lese. Da kommt pro Woche auch ganz nett etwas zusammen, wie man - als Spitze des Eisbergs - meinem Rezensionsblog (wlodarek-rezensionen.blogspot.de) entnehmen kann. Doch manchmal knüpfe ich an die früheren Zeiten an und lese nonstop. Wie am vergangenen Wochenende. Anschließend ging es mir gar nicht gut. Weil ich vergessen hatte, dass sich intensive Lektüre auswirkt. Sich ein Buch mit negativem Inhalt, und sei es noch so gut geschrieben, ´reinzuziehen bekommt einem ohnehin selten, doch wenn man sich dann auch noch zu lange damit beschäftigt, schadet es dem Gemüt. In diesem Fall handelte die Lektüre über 600 Seiten von einem drogensüchtigen Narzissten.
Merke: Man sollte sich seine geistige Nahrung gut aussuchen und es nicht übertreiben. Mit großen Mengen ungesunder Kost verdirbt man sich nämlich nicht nur den Magen, sondern auch die Stimmung.  

Dienstag, 5. April 2016

Wertschätzung



Müll nach dem Grillen im Park liegen lassen. Den SUV so auf dem Bürgersteig parken, dass kein Fußgänger mehr daran vorbeikommt. Im Bus lauthals ins Handy plappern – kleine Zeichen mangelnder Wertschätzung von Umwelt und Mitmenschen, über die man sich täglich ärgern kann. Doch gravierender ist es, wenn Wertschätzung in Unternehmen fehlt. Studien haben ergeben, dass mangelnde Wertschätzung im Job den Krankenstand erhöht. Weitere mögliche Folgen sind innere Kündigung und verbitterter Dienst nach Vorschrift. Generell schwindet die Freude an der Arbeit, das Selbstwertgefühl sinkt. Dabei geht es nicht allein um verbale Anerkennung, auch wenn offenbar viele Vorgesetzte das Motto verinnerlicht haben „Nicht gemeckert ist genug gelobt“. Es geht um eine grundsätzliche Haltung, in der jeder als wertvoll angesehen und entsprechend behandelt wird. Das ist gewiss nicht der Fall, wenn man etwa Angestellte als „Minderleister“ abwertet oder sie in Großraumbüros pfercht, obwohl erwiesen ist, dass es der Konzentration schadet.  Doch Umdenken scheint in Sicht. Was Wunder, kaum eine Firma kann es sich heute noch leisten, über die Bedürfnisse ihrer MitarbeiterInnen hinwegzugehen, falls sie gute Arbeitskräfte gewinnen und halten will. In Zürich wurde jetzt sogar ein „Institut für angewandte Wertschätzung“ gegründet, das Führungskräfte bewusst dazu Anleitung geben will. (www.mehrwerte.ch) Ich werde dort ein Seminar zum Thema „Charisma“ halten. Denn eine wirksame positive Ausstrahlung bedingt immer auch die Wertschätzung des Gegenübers.