Montag, 25. Mai 2015

Stadtpark

Erst kürzlich habe ich in einem Ratgberbuch wieder den immer gern wiederholten  Tipp gelesen, der einem faden Lebensgefühl auf die Sprünge helfen soll: "Gehen Sie mal einen anderen Weg zu Ihrer Arbeitsstelle." Bisher habe ich das für so aufregend gehalten wie den  ebenso klassischen Tipp "Essen Sie im Restaurant mal etwas anderes als gewöhnlich".  
Zu meinem Büro gibt es zwei Wege. Einer führt durch einen Park und eine Straße mit hübschen Stadtvillen. Der andere läuft schnurgrade an einer Hauptverkehrsstraße mit stilmäßig völlig uninteressanten Häusern entlang. Natürlich bin ich immer den netteren Weg gegangen. Was soll es mir schließlich bringen, mich an öden Häuserzeilen vorbeizuquälen?   
Doch seit einigen Wochen ist alles anders. Bewohner der Hauptverkehrsstraße haben zu Hacke und Schaufel gegriffen und praktiziert, was unter dem neudeutschen Begirff "Urban gardening" firmiert. Auf kleinen Erdinseln blühen plötzlich die schönsten Blumen. Besonders gefallen mir die orangenen Tulpen mit blauen Vergissmeinnnicht. Manchmal sehe ich eine der heimlichen Gärtnerinnen in Aktion, dann bedanke ich mich für ihre blühende Arbeit.
"Gehen Sie mal einen anderen Weg zur Arbeit" ist jetzt eine echte Alternative.  
 

Sonntag, 10. Mai 2015

Vermessung der Welt

Während ich beim Walking im Park nur auf mein Herz höre, laufen viele JoggerInnen mit bunten Pulsmessern  am Oberarm an mir vorbei. Und das ist noch harmlos. Inzwischen zählen Chips die Anzahl unserer Schritte, berechnen den Kalorienverbrauch und UV-Strahlung oder messen die Schlaftiefe. Die sogenannten Wearables, Messgeräte, die man als Armbänder, Ketten oder an der Kleidung trägt, werden hierzulande immer beliebter. Die Verbindung zum Smartphone ist schon Standard, damit man die Daten speichern und vergleichen kann. Für mich ist das ein Zeichen, wie sehr wir uns schon von uns selbst entfremdet haben. Brauchen wir wirklich den Umweg über eine Maschine, um zu wissen, wie wir uns fühlen? Professor Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln sagt im Magazin der Techniker Krankenkasse dazu: "Grundsätzlich rate ich zu einer Trainingssteuerung anhand der Signale des eigenen Körpers, denn der ist immer noch der beste Indikator." Wenn ich die knallroten Gesichter mancher Läufer mit Aktivitäts-Tracker sehe und ihr Keuchen höre, dann denke ich: Der Mann hat Recht.