Sonntag, 25. September 2011

Alles gut

Eine Freundin arbeitet freiberuflich in der Filmbranche. Kürzlich brach ihr ein großer Auftrag weg. Mitfühlend fragte ich sie: "Jetzt bist du sicher sehr enttäuscht?"

Ihre Antwort verblüffte mich. "Ach, damit komme ich schon klar" sagte sie locker. "Ich habe nämlich einen Wahlspruch:

Ja ist gut, Nein ist auch gut."

Im ersten Moment klang das für mich recht fatalistisch. Stoisch alles hinzunehmen wie es gerade kommt, macht doch reichhlich passiv, fand ich. Aber je länger ich darüber nachdachte, desto sinnvoller erschien mir das Motto:

Zum einen haben wir nicht alles in der Hand, auch nicht die Entscheidung anderer Menschen.
Von daher ist es durchaus entspannend, die Situation so anzunehmen, wie sie ist.
Zum anderen können wir nicht in die Zukunft schauen und wissen nicht, ob sich das, was wir uns wünschen, auf die Dauer tatsächlich positiv auswirkt. Oft ist man im nachhinein froh, dass sich etwas nicht realisiert hat.

Ich habe den Spruch jedenfalls in mein Motto-Repertoire aufgenommen. Im Tausch dafür habe ich der Freundin eine optimistische Variante angeboten, die mir in puncto Gelassenheit auch schon gute Dienste geleistet hat. Wenn mir in meinem Beruf trotz allem Engagement etwas verwehrt bleibt, dann sage ich mir:

Wenn nicht das - dann etwas Besseres.

Montag, 19. September 2011

Ich bin ein Pirat

Bei den Landtagswahlen in Berlin ist die Piraten-Partei spontan von 0 auf 9% gekommen - junge Leute, die sich neben frischem politischen Wind vor allem durch ihre Leidenschaft fürs Internet auszeichnen.

Jungs, ich stehe mental auf eurer Seite. Aber leider ist meine Begeisterung für die Möglichkeiten im Netz größer als meine technische Begabung. Es brauchte schon Geduld, mir die Grundbegriffe zu erklären. Zum Glück habe ich computerversierte Profis an der Seite: Mein Ehemann ist Mathematiker, mein Sohn studiert Wirtschaftsinformatik. Ohne sie würde ich wahrscheinlich meine Manuskripte heute noch auf einer Triumph-Schreibmaschine tippen.

Das ist übrigens keine Altersfrage. Kürzlich war ich Zuhörerin einer Kulturveranstaltung zum Thema "Social Media" . Auf dem Podium saß auch eine junge Frau, Kuratorin einer Sammlung moderner Malerei. Gefragt, ob sie auf Facebook sei, verneinte sie vehement und erklärte: "So lange mich meine Freunde noch direkt zum Geburtstag einladen, werde ich da auch nicht Mitglied."
Hallo, da bin ich aber schon weiter.

Ich weiß, da ginge noch mehr. Twittern, Interaktives, Videos auf Youtube. Nur, das ist zu zeitaufwändig, irgendwann muss ja auch die Arbeit gemacht werden. Apropos, zwei meiner Bücher gibt es immmerhin schon als E-Books.

Sag mal einer, ich hätte nicht das Zeug zum Piraten.

Sonntag, 11. September 2011

Das neue Orakel

Am Tempel des Apoll im antiken Delphi stand der Spruch: "Gnothi seauton - Erkenne dich selbst". Ich erlaube mir, die berühmten Worte als Basis für eine weitere tägliche Übung zu nutzen:

Anerkenne dich selbst!

Oft verlagern wir unsere Selbsteinschätzung nach außen und machen uns vom Urteil anderer abhängig, nach dem Motto: Wenn viele meine Arbeit gut finden, dann ist sie gut.

Und wenn es nur wenige sind? Was besagt das dann für die Qualität von Songs, Fotos, Filmen, Gemälden, Büchern? Etwa nicht gut?

Was die Bücher betrifft, bietet der bissige Philosoph Schopenhauer fähigen Autoren, deren Werke trotzdem nicht in jeder Thalia-Buchhandlung ausliegen oder auf der Spiegelbestseller-Liste stehen, folgenden Trost: "Das Publikum ist so einfältig, lieber das Neue als das Gute zu lesen".

Wirklich tragfähig ist letztlich nur die Anerkennung, die wir uns selbst geben. Dazu gehört allerdings:
1. Selbstkritisch bleiben: Eine geringe Resonanz von außen darf niemals an mangelnder Qualität liegen.
2. Sich treu bleiben: Nicht versuchen, das zu produzieren, was vermutlich gut ankommt. Sondern weiterhin das, was man sinnvoll und wichtig findet.

Und das gilt nicht nur für kreative Tätigkeiten!

Freitag, 2. September 2011

Midnight in Paris

Im SPIEGEL veröffentlichte ein Redakteur kürzlich seine harsche Kritik über Woody Allens neuen Film "Midnight in Paris": Er sei voller Klischees, blende die Wirklichkeit aus und beruhe auf dem getrübten Blick eines amerikanischen Europa-Fans. Das las sich reichlich abschreckend. Nach diesen Zeilen erwartete man das misslungene Werk eines alternden Regisseurs, der mit der Realität nicht mehr zurechtkommt.

Ich habe mir den Film trotzdem angesehen - und war entzückt. Der Film ist ein kleines, feines, romantisches Kunstwerk. Die Story in aller Kürze: Ein amerikanischer Romanschriftsteller gerät auf magische Weise in die Goldenen 20er Jahre und trifft dort seine Idole von Hemingway bis Fitzgerald. Natürlich ist auch Liebe im Spiel.

Nach dem Kino habe ich mir die SPIEGEL-Rezension noch einmal durchgelesen. Und war verblüfft: Jeder Vorwurf trifft zu - und dennoch stimmt nichts davon. Es kommt nämlich darauf an, ob man sich den Film mit dem Kopf oder mit dem Herzen anschaut.

Der französische Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal hat den berühmten Satz geprägt: "Le coeur a ses raisons que la raison ne connait point". Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt. Ich hätte nicht gedacht, dass das auch für einen Woody-Allen-Film gilt.