Donnerstag, 29. August 2013

TRAGISCH

 "Tschick", ein Roman von Wolfgang Herrndorf, wurde mir 2010 vom Verlag zugeschickt. Der Klappentext wies ihn als Abenteuerfahrt zweier jugendlicher Ausreißer aus, die auf ihrem Weg durch den wilden Osten den Geheimnissen des Lebens begegnen. Nun ja, nicht gerade ein Thema, das mich brennend interessierte. Irgendwann fing ich dann doch an zu lesen - und war hingerissen. " Es ist diese Zartheit, die sich allein über den Ton vermittelt, die eine Kameradschaft, Zugehörigkeit und Identifikation erzeugt, der sich kein Leser entziehen kann und will" schwärmte der Spiegel zu Recht. "Tschick" wurde ein Sensationserfolg, verkaufte sich über eine Millionen mal. Der Traum jedes Autors, was für ein Glück.

Und dann:  Im Frühjahr 2010 wurde bei Wolfgang Herrndorf ein bösartiger Gehirntumor diagnostiziert.
Mit aller Kraft kämpfte er gegen die Krankheit, aber ohne Erfolg. Nach einem Arztbesuch mit endgültig hoffnungslosem Befund hat sich Wolfgang Herrndorf vor wenigen Tagen am Ufer des Berliner Hohenzollernkanals das Leben genommen. Er wurde nur 48 Jahre alt. 

Herrndorfs Schicksal hat mich betroffen und nachdenklich gemacht. Vor allem die Gleichzeitigkeit von Glück und Unglück zeigt wieder einmal deutlich, wo die wahre Macht im Leben liegt.

Ich werde "Tschick" noch einmal lesen.  




Mittwoch, 21. August 2013

"Die Knochen kennen die Wahrheit"

Ich weiß, mit diesem Blog werde ich einige ärgerliche Kommentare herausfordern. Aber ich sage es hier trotzdem ganz offen:

Ich bin gegen Kriminalromane

Gerade hat meine Aversion wieder neue Nahrung bekommen. Ich  habe einen Stapel Vorschau-Kataloge von Verlagen durchgesehen, um mich zu informieren, welche Ratgeber-Titel  eventuell empfehlenswert sein könnten. Angeboten werden auch jede Menge Krimis.Dazu kündigt man das neue Werk eines bekannten Autors beispielsweise so an: "Ein junges Mädchen wird tot im Wald gefunden. Sie wurde brutal vergewaltigt. Zehn Jahre später wird an der Stelle ein Polizist getötet, sein Gesicht ist grausam entstellt." Man zitiert auch gerne direkt aus einem Buch: "Das Streicholz verströmte erstaunlich helles Licht in dem dunklen Raum, und die Augen der Frau, die vor ihm kniet, weiten sich erschrocken." Oder wirbt mit dem Versprechen: "Angst und Schrecken von der ersten bis zur letzten Seite".
Na, Lust auf Lesen bekommen?
Ich will gar nicht leugnen, dass Krimis unheimlich spannend sein können. Aber was für eine Spannung ist das, die auf Bösartigkeit und Sadismus beruht? Auch wenn am Ende die Verbrecher bestraft und die Guten gerettet sind - bis dahin haben wir schon jede Menge geistiges Gift aufgenommen.
Falls Sie gerne Krimis lesen, will ich Sie nicht davon abbringen. Aber ich möchte Sie dazu anregen, einmal darauf zu achten, wie Sie sich anschließend fühlen. Inspiriert? Motiviert? Gutgelaunt? Oder eher gereizt, deprimiert?  Und könnte es vielleicht sein, dass in Ihrem Leben Spannung fehlt?
In einer dieser Krimiwerbungen las ich auch: "Nur auf eines kann die Todesermittlerin sich verlassen: Die Knochen kennen die Wahrheit." Den Satz möchte ich im Blick auf die Krimiwirkung umformulieren: "Auf eines können wir uns  verlassen: Unsere Seele kennt die Wahrheit". Sie weiß, was uns bekommt und was nicht.     
 



 

Freitag, 9. August 2013

Modisches Statement

Ich interessiere mich für Mode. Nein, nicht nur im Blick auf meinen Kleiderschrank, sondern vor allem für ihre   psychologische Bedeutung. Frei nach einem bekannten Ausspruch von Paul Watzlawick können wir nämlich modisch nicht nicht kommunizieren, selbst wenn wir uns in Sack und Asche hüllen. Mit unserem Outfit treffen immer eine Aussage über uns selbst.

Kürzlich las ich in einer US-Zeitschrift ein Interview mit der Galeristin  Megan Piper. Sie brachte das auf den Punkt, indem sie sagte: "Dressing is like telling a story about who you are."

Unter diesem Aspekt habe ich mir dann mal bei einem Cappucino im Straßencafe die Passanten angesehen. Es war interessant, was die Kleidung über ihre BesitzerInnen zu sagen wusste:
"Ich falle gerne auf.". "Ich bin sportlich". "Ich bin romantisch" . "Mir sind Äußerlichkeiten unwichtig.". "Ich bin eine Lady". "Ich bin sexy.". "Ich bin bequem."

Kleidung erzählt vieles, wenn man genau darauf achtet.Wissen Sie eigentlich, was Ihr Outfit über Sie ausplaudert? Und ist es wirklich das, was Sie vermitteln möchten?