Dienstag, 25. Juni 2013

Die Chaneltasche

„Willkommen in der Realität“ sagte meine Nachbarin mit bitterem Lächeln, als ich sie nach Ihrer Tochter fragte. Die ist exzellent ausgebildet, hat schon einiges an Berufserfahrung, ist außerdem liebenswürdig, bildhübsch – und seit kurzem arbeitslos, weil die Firma, in der sie bisher tätig war, überraschend Pleite gemacht hat. Seitdem bewirbt sie sich in ihrer Branche. 50 Bewerbungen hat sie schon geschrieben, drei Vorstellungsgespräche haben sich daraus ergeben. Alle drei Arbeitgeber waren begeistert - und haben ihr einen Job als Praktikantin angeboten! Das war nun nicht gerade das, was sie sich vorgestellt hat. Sie hätte schon gerne ein Gehalt von dem sie leben kann. Daraufhin verstieg sich einer der Personaler zu der Aussage: „Sie würden zwar großartig in unser Team passen, aber Sie sind die Chanel-Tasche, die wir uns nicht leisten können.“

Stellt sich mir die Frage: Wie kommt dieses Land ohne Chanel-Taschen weiter?

Dienstag, 18. Juni 2013

Tierliebe

Seit einigen Wochen bin ich Vegetarierin. Das hier so offiziell zu verkünden, hat vermutlich den gleichen Effekt, als ob man seiner Umgebung mitteilt „Ich habe aufgehört zu rauchen.“ Danach darf man sich nicht mehr mit einer Zigarette erwischen lassen, ohne seine Glaubwürdigkeit zu verlieren. Ich hänge mich also ziemlich weit aus dem Fenster. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass Sie mich in einem Restaurant vor einem Wiener Schnitzel sitzen sehen, im Imbiss mit einer Currywurst oder beim Hotelfrühstück mit Schinkenbrötchen. Obwohl mir die Konsequenz nicht immer leicht fällt. Der Grund für meinen Sinneswandel ist nämlich nicht, dass ich kein Fleisch mag, sondern die Vorstellung, dass die Tiere getötet werden - von der meist grausamen Tierhaltung einmal ganz abgesehen.

Keine Sorge, ich bin nicht missionarisch. Schließlich habe ich selbst lange genug die Augen vor dem Leid der Tiere verschlossen. Und jetzt funktioniert das eben nicht mehr. Interessant ist, dass es plötzlich vielen Menschen so geht. Deshalb doch mal gefragt: Essen Sie noch Fleisch?

Sonntag, 9. Juni 2013

WUNSCHERFÜLLUNG

Wenn ich mich recht erinnere, stammt der Spruch von Oscar Wilde: "Überlege dir gut, was du dir wünschst, es könnte sich erfüllen". Da ist durchaus etwas dran. Meist haben wir den Blick so fest auf die Vorteile eines Wunsches gerichtet, dass uns seine negativen Konsequenzen nicht bewusst sind.
Im Hamburger Abendblatt las ich dazu einen Witz, der das  mit einem gewissen bösen Humor illlustriert.
Als Expertin für Wunscherfüllung - schließlich bin ich Autorin des Ratgebers "Wunscherfüllung für Selbstabholer - musste ich darüber besonders schmunzeln :

Ein Bauer, der schon länger die Nase von seiner täglichen Arbeit voll hat, trifft eine Fee. Wie es so Feen-Art ist, gibt sie ihm drei Wünsche frei. Als erstes wünscht er sich, ein Prinz zu sein.Schon trägt er das Gewand eines Thronfolgers. Als zweites wünscht er sich ein Schloss. Sekunden später befindet er sich in einem prächtigen Bauwerk. Sein dritter Wunsch lautet: "Ich möchte eine Prinzessin zur Frau." Kaum ausgesprochen, öffnen sich die Flügeltüren. Eine wunderschöne Prinzessin kommt auf ihn zu und sagt: "Franz Ferdinand, wir müssen uns beeilen, sonst kommen wir zu spät nach Sarajewo!"