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Erdmännchen - eine Filmkritik



Der Film „Toni Erdmann“ wurde auf allen Kanälen überschwänglich gelobt: Ganz Cannes war beim Filmfestival während der Vorführung aus dem Häuschen. Der Spiegel überschlug sich vor Lob. Das Hamburger Abendblatt schrieb: Ein Film zum Niederknien. Die TV-Kino-Specials rieten: Unbedingt anschauen. Von so viel Lob animiert habe ich mir den Film angesehen. Und habe das Kino enttäuscht und verärgert  verlassen. Vielleicht bin ich mit meiner Kritik die die Einzige, aber ich fand den Film nichtssagend. Sicher, er war gut gemacht, hatte seine komischen und auch anrührenden Momente, war perfekt besetzt - aber insgesamt hat er mich nicht berührt. Ich fand ihn unglaubwürdig und klamaukig. Ein bisschen Generationendissens, ein bisschen Blick hinter die McKinsey-Kulissen. Und?
Ich habe mich im Kino schon amüsiert, geweint oder lange über das nachgedacht, was ich gesehen habe. Hier nichts von alledem.
Ach ja, gelernt habe ich trotzdem etwas: Ich glaube definitiv keinem Kino-Hype mehr, sondern verlasse mich in Zukunft darauf, ob ich die SchauspielerInnen oder den Regisseur/die Regisseurin mag.
Meine Filmkritik ist natürlich völlig subjektiv und will niemandem den Spaß nehmen. Meine neugierige Frage ist nur: Stehe ich mit meinem Urteil alleine da? Um Antwort wird gebeten.    

Kommentare

  1. Liebe Frau Dr. Wlodarek, mir gefiel der Trailer vom Film "Toni Erdmann" nicht. Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Sehenswert ist aus meiner Sicht der Film "Ein ganzes halbes Jahr". Auch für diejenigen, die das gleichnamige Buch gelesen haben. Viele Grüße!

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  2. Vielen dank für den Kommentar. Ich habe das Buch auch gerne gelesen. Besonders schön war, dass ich über den Rowohlt-Verlag auch die sympathische Autorin kennengelernt habe als das Buch gerade erschienen war.
    Herzliche Sommergrüße
    Eva QWlodarek

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  3. Ich stimme Ihnen, Frau Wlodarek, zu, denn es ist auch für mich immer wieder interessant, Autoren und Autorinnen bei Lesungen zu erleben und kennen zu lernen. Ich hoffe, auch Sie sind weiter unterwegs, um andere an Ihrem Wissen teilhaben zu lassen und Sie kennen und erleben zu dürfen. Alles Gute und herzliche Grüße nach HH!

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  4. Ja, Frau Wlodarek, ich habe einen ähnlich enttäuschten Eindruck gewonnen, nachdem ich den Film gesehen hatte. Einige wenige Szenen sind wirklich beklemmend und komisch zugleich (sowas ist selten im deutschen Film und vielleicht hat das zu den überschwänglichen Kritiken geführt), aber insgesamt plätschert die Handlung recht unentschlossen dahin und versandet in Belanglosigkeit. Es kommt kein Paukenschlag, kein endgültiges Desaster, auch nichts Versöhnliches, das der menschenverachtenden Businesswelt die Stirn bietet.
    Viele Grüße an Sie und herzlichst
    Jana

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