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Unglückliche Kindheit

Im Magazin der Süddeutschen Zeitung stand kürzlich ein Interview mit Yasmina Reza, international bekannt durch ihr Theaterstück "Der Gott des Gemetzels". Als Überschrift hatte man ein Zitat von ihr gewählt: "Ohne glückliche Kindheit führt man ein schöneres Leben." Ein ungewöhlicher Aspekt, der mich zum Lesen verführte. Allerdings überraschte mich die Erläuterung der Autorin: Ihrer Ansicht nach führt  eine unglückliche Kindheit dazu, dass man sich nicht nach ihr zurücksehnt und deshalb im Leben vorwärts schaut. So kann man es sehen. Obwohl mir das eher eine nützliche Form des Selbstschutzes zu sein scheint. Statt zu trauern und zu leiden, spaltet man die unglückliche Erfahrung ab und richtet den Blick auf die Gegenwart und Zukunft. Ich hatte eigentlich diese Interpretation erwartet: Wer eine unglückliche Kindheit hatte, gewinnt dadurch oft mehr Energie als jemand, der einen leichten Start hatte. Dafür gibt es viele prominente Beispiele besonders unter KünstlerInne...

Kleiderständer

Ich liebe Mode und blättere auch gerne durch Hochglanzzeitschriften. Dass da manches Outfit als officetauglich deklariert wird, mit dem man sich sogar in Hamburg nicht mal in die Disco trauen  würde - okay. Nur manchmal wundere ich mich doch, welche Blüten die Modeaffinität in den Magazinen treibt. Da werden im redaktionellen Teil interessante Personen interviewt, etwa ManageInnen, UnternehmerInnen, sozial Engagierte oder KünstlerInnen. Und dann kann man lesen, welches Label diejenigen gerade tragen: X trägt eine Bluse von Gucci, eine Hose von Prada, Stiefel von Hermes. Als ob diese Menschen Models wären. Aber die  tollste Beschreibung fand ich kürzlich zum Porträts eines jungen Poeten: "Der    Schriftsteller XY trägt seine eigene Kleidung."

Erkenne Dich Selbst!

Gestern auf einem Museums-Vorplatz. Eine japanische Reisegruppe fotografiert sich. Ich staune: Man macht nicht etwa gegenseitig Aufnahmen, wie man es bisher von Touristen gewohnt ist, sondern jeder lichtet nur sich ab. Dazu klemmen sie ihre iPhones auf armlange Teleskopstöcke und lächeln sich selbst zu. Fasziniert habe auch ich meinen Fotoapparat gezückt und diese surreal anmutende Szene festgehalten In einem Magazin lese ich eine Anleitung, wie man die besten „Selfies“ macht: Zunächst ein Backgroundcheck. Der Hintergrund darf nicht von der eigenen Person ablenken. Dann den Kopf leicht schräg halten, damit das Gesicht schmaler wirkt. Ein No-go bei Nahaufnahmen ist krümeliges Makeup, also lieber Creme statt Puder. Aha. Und ein verrenkt ausgestreckter Arm ruiniert das beste Selfie. Besser geht es mit dem...

Jean, you are great!

Eigentlich könnte ich meinen Blog auch "Wlodarek zappt" nennen. Tatsächlich finde ich ganz zufällig im Fernsehen. so manche psychologische Anregung, die ich gerne weitergebe, Wie in dieser amerikanischen Sendung, in der eine unsichere junge Frau  namens Jean von Profis dafür fit gemacht werden sollte, ihren Schwarm Tom für sich zu gewinnen.  Als erstes wurde die optisch unscheinbare Jean mittels Make-up aufgehübscht und modisch angezogen. Dann setzte ein Fotograf sie ins rechte Licht. Und wow! - die Fotos hatten Starappeal. Merke: Mit dem richtigen Handwerkszeug kann man jedes Entlein in einen Schwan verwandeln. Jean staunte nur: "Bin das wirklich ich?". Im zweiten Schritt sollte sie lernen, gegenüber Männern selbstsicher   aufzutreten. Ein Coach ließ  sie dazu eine Gruppe junger Besucher durch Madame Tousseaus Wachsfiguren-Kabinett führen. Mit einem Knopf im Ohr gab er ihr Hilfestellung ("Fass ihn jetzt an der Schulter an."). Jean schlug sich tapfer. u...

Diesmal etwas tierisch Gutes

In einer Berliner Seniorenresidenz wird  regelmäßig Tiertherapie praktiziert. Mehrmals in der Woche kommt dort ein Tierpfleger mit drei Alpakas vorbei. Die alten Leute lieben es. Sogar Demenzkranken zaubert der tierische Auftritt ein Lächeln ins Gesicht. Es müssen nicht unbedingt Tiere dieser Größenordnung sein, in manchen Heimen hat man auch mit Hunden und Katzen eine ähnlichen Erfolg. Bekannt ist, dass bei psychischen und physischen Störungen oft Delfine oder Pferde therapeutisch eingesetzt werden.Generell erzeugt der Umgang mit einem Tier positive Aufmerksamkeit, lenkt von Schmerzen ab  und wirkt stimmungsaufhellend.  DieMethode wurde in den USA entwickelt und wird bei uns seit den 80ger Jahren praktiziert. Interessant finde ich besonders die Begründung, warum das so gut funktioniert. In einem Gesundheitsmagazin hieß es dazu:"Als wichtigste Eigenschaft der Tiere gilt, dass diese keine Vorurteile kennen. Für sie macht es keinen Unterschied, wie eine Pe...

Grausam

Gestern zappte ich zufällig mitten in eine TV-Sendung mit dem Titel "Die Wahrheit über Pelze". Was da zu sehen war, war fürchterlich: Tausende von Nerzen werden in jeder Saison nur für Pelze gezüchtet und schließlich brutal getötet. Der Verwalter dieser Fabrik fand das völlig normal und freute sich schon auf eine Steigerung der Produktion. Weil ja nun auch die Chinesen den Luxus der Nobelpelze entdeckt haben. Von der grausamen Praktik hatte ich schon früher gelesen, aber die Wirkung ist noch viel stärker, wenn man die Bilder sieht. Das brennt sich ein. Nerz tragen die meisten von uns nicht, dafür trägt man in der aktuellen Mode Kaninchenfell am Parka. Wie die Tierschutzorganisation PETA informiert, werden Kaninchen genauso gezüchtet und getötet. Eine große Modekette, die es schon mal besser wusste, verkauft inzwischen wieder angesagte Marken mit Fellbesatz. Im Internet kann man auf der Seite von PETA eine Petition an diese Firma schicken, nur Marken mit hochwertigen Kunstpe...

Frei? Von wegen!

Das Folgende ist als kleiner Trost für alle Angestellten gedacht, die gelegentlich neidisch auf uns FreiberuflerInnen schauen. Weil sie glauben, dass wir unsere Tätigkeit in voller Freiheit ausüben, wie ja schon das Wort vorgibt. Dem ist jedoch keineswegs so, wie ich kürzlich in einem meiner Arbeitsbereiche, dem Journalismus, feststellen durfte: Ich schreibe ziemlich regelmäßig für verschiedene Zeitschriften zu psychologischen Themen. Bis vor einiger Zeit lief das noch so ab: Ich schrieb. Der Artikel oder Psycho-Test wurde veröffentlicht und mit einem Honorar abgegolten. Das war´s. Die Rechte an meinem geistigen Eigentum blieben weiterhin bei mir. Nun  ist alles anders. Mir kommen seitenlange Verträge ins Haus. In denen werde ich aufgefordert, sämtliche Rechte an meinen Werken abzutreten. Da die Verlage noch mehr Magazine herausgeben als dasjenige, für das die Veröffentlichung geplant ist, gehört dazu auch die kostenlose Weitergabe an sämtliche anderen Gazetten im In- und Ausland...