Seit Jahren stand in einer Ecke unseres Wohnzimmers ein Schallplattenapprat, ein Turm
mit einem großen Fach für Langspielplatten. Seit meiner Studentenzeit hatte sich da
einiges angesammelt. Elvis Presley lehnte sich an die Callas, die Rolling
Stones an Wagners Tannhäuser. Aufgelegt hatte die Scheiben seit Jahren keiner
mehr. Schließlich gibt es inzwischen alles auf CD oder man kann es sich vom
Computer herunterladen. Es wurde endlich Zeit für den alten Kasten, auch wenn
er recht dekorativ aussah. Mein Sohn und ein Freund entsorgten ihn, das Teil
war ziemlich schwer. Am gleichen Abend sah ich im Fernsehen eine Dokumentation
mit dem Titel „Venyl Revival“. (Venyl ist der Stoff, aus dem die schwarzen Scheiben
gepresst werden.) Ich erfuhr, dass es riesige Plattenbörsen gibt, wo Sammler bis
zu dreißigtausend Euro ausgeben. Im Interview sagten sie mit leuchtenden Augen:
„Schallplatten sind etwas Besonderes, sie ermöglichen eine taktile Sinnlichkeit“.
Ein anderer schwärmte: „Du kannst die Musik fühlen“. Und: „Das hat eine ganz
andere Wertigkeit, die gibt der Musik ihr Gesicht zurück.“ Ach, sie haben ja so
recht: Eine Schallplatte vorsichtig zwischen die Hände zu nehmen, sie auf den
Plattenteller zu legen, den Tonarm aufzusetzen – das hat schon etwas.
Vielleicht habe ich einen Fehler gemacht…
Neulich habe ich mal wieder festgestellt: Man kann sich nicht nur über essen , sondern auch über lesen . Die Neigung, Bücher zu verschlingen (welch passendes Wort!), hat sich allerdings bei mir schon früh gezeigt. Als Kind habe ich nächtelang mit der Taschenlampe Karl-May-Bücher gelesen und mich dabei komplett in die Prärie oder ins wilde Kurdistan geträumt. 500 Seiten? Ein Kinderspiel. Heutzutage fehlt mir zu exzessivem Lesen meist die Zeit, so dass ich Bücher nur in Häppchen lese. Da kommt pro Woche auch ganz nett etwas zusammen, wie man - als Spitze des Eisbergs - meinem Rezensionsblog (wlodarek-rezensionen.blogspot.de) entnehmen kann. Doch manchmal knüpfe ich an die früheren Zeiten an und lese nonstop. Wie am vergangenen Wochenende. Anschließend ging es mir gar nicht gut. Weil ich vergessen hatte, dass sich intensive Lektüre auswirkt. Sich ein Buch mit negativem Inhalt, und sei es noch so gut geschrieben, ´reinzuziehen bekommt einem ohnehin selten, doch wenn man sich dann ...
Liebe Frau Dr. Wlodarek, vielen Dank dafür, dass Sie uns Ihre Erfahrung mit dem Entrümpeln erzählen. Ich frage mich, inwieweit werden wir bei unseren Entscheidungen von anderen manipuliert? Vielleicht sind Sie unbewusst dem Wunsch Ihrer Familie gefolgt? Als Psychologin können Sie das natürlich besser beantworten. Und außerdem ist die Anlage nun weg. Ärgern schadet uns ja bekanntlich selbst. Herzliche und fröhliche Grüße nach HH!
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