Direkt zum Hauptbereich

Verbaler Spitzentanz



Ringelnatz und Erich Kästner haben sicher von oben wohlwollend auf ihren begabten Nachwuchs geschaut. Und die Germanistin in mir (ja doch, in meinem ersten Leben habe ich das studiert!) war entzückt über seinen Wortwitz: Am Wochenende fand eine Lesung oder besser gesagt eine Performance von Peter Weissbach, genannt „Der Poeter“, statt, unter dem Motto „Sinnlos – aber mit Niveau“. Mit so unerwarteten Pointen und verbalen Wendungen, dass es viel Gelächter und Applaus nach jedem Beitrag gab. Peter Weissbach verkörpert seine Gedichte, mit Schalk in den Augen und einer lässig-linkischen Haltung. Da fällt schon mal etwas herunter oder eine musikalische Einspielung klappt nicht so recht. Aber das erhöht nur den Charme. Für mich war es jedenfalls ein Vergnügen. Und weil ich das gerne teilen möchte, sind hier mit freundlicher Erlaubnis des Autors zwei Gedichte. Mehr davon gibt es übrigens in seinem selbstverlegten Gedichtband „Vom Kreuchen & Fleuchen“ mit Versen und Fotos (KaterVerlag, ISBN  978-3-940063984).

Dieses Gedicht bitte laut lesen, dann entfaltet sich die Wirkung:

Kennedy, Nixon, Ford, Reagen, Bush, die Clintons und die Obamas
Die Obamas ham gesehen, 
wie hinterm Bush drei Nixon stehn.
Der Anblick war von kurzer Dauer, 
nur bis zum nächsten kleinen Schauer!
Und nun scheinen sie Ford zu sein 
und Clinton findet das gemein!
Und da denkt der Bill direkt, 
dass Hillary dahinter steckt…
Da sagt John F.: ich Kennedy- 
bei Reagen sieht man Nixen nie!

Und dieses ist nichts für Jugendliche unter 16 Jahren:

Die Spitzmaus und die Ratte
Die kleine Maus war, wie sich zeigt,
einer Ratte zugeneigt-
und sie war- den Eindruck hatt ich
für ne Spitzmaus ganz schön rattig…
Also machte sie sich dann
an die Auserwählte ran-
doch hier erkennt man, wie ich find
in diesem Fall macht Liebe blind-
denn für die Ratte ist indessen
das Mäuschen ein gefundnes Fressen…
man ahnt bereits was ihr nun droht:
erst rattenscharf, dann mausetot!

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Keine Angst!

Ich habe einen schönen Spruch von Mark Twain gefunden:

Ich habe im Leben schon viele schlimme Dinge durchgemacht. Einige davon sind wirklich passiert.

Tatsächlich beziehen sich die meisten Ängste auf etwas Zukünftiges, dessen Eintreffen gar nicht hundertprozentig sicher ist. Von daher ist es sinnlos, sich verrückt zu machen.

Der bessere Weg:

Verwandeln Sie Sorgen in Sorgfalt. Indem Sie planen (Was kann ich tun, wenn...) entwickeln Sie ein Instrumentarium, um dem "worst case" entgegenzutreten - falls der überhaupt eintritt. Bis dahin: Schlafen Sie gut!

Verwandeln Sie Angst in Aktivität. Fragen Sie sich: Was kann ich heute, hier und jetzt konkret tun, um zu vermeiden, wovor ich Angst habe? Tun Sie diese Schritte. Das gibt Ihnen das Gefühl von Kontrolle.

Nobelpreis für die Psychologie

Der diesjährige Nobelpreis für Wirtschaft geht an den US-Forscher Richard Thaler, Begründer der Verhaltensökonomie. Lange Zeit ging man davon aus, bei Geldanlagen würden Emotionen keine Rolle spielen, hier würde sachlich analysiert. Thaler widerlegte diese Vorstellung. Er brachte als Erster psychologische Erkenntnisse in die Wirtschaftswissenschaften ein. In zahlreichen Studien wies er nach, dass gerade die sogenannten weichen Eigenschaften einen großen Einfluss auf die Märkte haben. So tun sich zum Beispiel Aktionäre schwer, sich von verlustreichen Aktien zu trennen, obwohl das sinnvoll wäre. Das hat ja eine ganze Weile gedauert, bis der Mythos vom sachlichen homo oeconomicus enttarnt wurde. Aber dass wir Menschen nur begrenzt rational handeln, gilt nicht allein für die Wirtschaft, sondern für jeden Beruf. Von daher ist es sinnvoll, wenn es etwa bei Konferenzen, Messen und anderen Job-Veranstaltungen nicht nur fachliche Beiträge gibt, sondern immer auch psychologische Kenntnisse ver…