Dienstag, 25. Juni 2013

Die Chaneltasche

„Willkommen in der Realität“ sagte meine Nachbarin mit bitterem Lächeln, als ich sie nach Ihrer Tochter fragte. Die ist exzellent ausgebildet, hat schon einiges an Berufserfahrung, ist außerdem liebenswürdig, bildhübsch – und seit kurzem arbeitslos, weil die Firma, in der sie bisher tätig war, überraschend Pleite gemacht hat. Seitdem bewirbt sie sich in ihrer Branche. 50 Bewerbungen hat sie schon geschrieben, drei Vorstellungsgespräche haben sich daraus ergeben. Alle drei Arbeitgeber waren begeistert - und haben ihr einen Job als Praktikantin angeboten! Das war nun nicht gerade das, was sie sich vorgestellt hat. Sie hätte schon gerne ein Gehalt von dem sie leben kann. Daraufhin verstieg sich einer der Personaler zu der Aussage: „Sie würden zwar großartig in unser Team passen, aber Sie sind die Chanel-Tasche, die wir uns nicht leisten können.“

Stellt sich mir die Frage: Wie kommt dieses Land ohne Chanel-Taschen weiter?

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