Ich schaue gerne in den Nachthimmel,
besonders auf dem Land, wo noch nicht so viele künstliche Lichtquellen stören. Einige
Sterne erkenne ich, etwa die Venus, unseren Abendstern, oder Sternzeichen wie den
großen Wagen. Das muss sich herumgesprochen haben, denn kürzlich erhielt ich das
Angebot, ich könne einem Stern meinen Namen geben. Dazu würde man einen für
mich aussuchen, ihn in den USA, in Großbritannien und der Schweiz registrieren lassen
und ihn in „Your Place in the Cosmos“ urheberrechtlich schützen. Als Nachweis bekäme
ich dann eine Urkunde (30 x 40), ohne Rahmen, mit den Koordinaten meines
Sterns. Das Ganze zum Schnäppchenpreis von 194.- €. Na ja, vielleicht ist das ja für ein Paar romantisch –
er schenkt ihr einen Stern zum Hochzeitstag. Aber ich finde die Vorstellung eher absurd, dass da oben ein Stern „Eva Wlodarek“ heißt. Die Erfinder dieser cleveren Geschäftsidee setzen wohl auf die Eitelkeit ihrer Kunden: Mein Haus, mein Boot, mein Stern.
Aber da haben sie bei mir die Falsche angefragt. Ich schaue lieber in den
Himmel und freue mich an den vielen Sternen, die schon einen Namen haben.
Der Postzusteller st eht mit einem Päckchen vor der Tür. Oft nehme ich Sendungen für Nachbarn an, die nicht zuhause sind. Aber dieses ist für mich. Ich ahne schon: Darin sind Exemplare von meine m neuen Buch „Vertrau dem Leben. Von A wie Abenteuergeist bis Z wie Zeitreise“, mit meinen eigenen Illustrationen. Ein neugeborenes Kind im Arm zu halten ist ein unglaubliches Gefühl, aber ein neues Buch, ein „geistiges Kind“, zum ersten Mal in den Händen zu halten, ist auch sehr bewegend. Dieses ist mein zwölftes, also schon Teil einer größeren Buch-Familie, aber trotzdem einmalig. Und wie bei einem Säugling weiß man nicht, was daraus wird. „Habent sua fata libelli“ – die Bücher haben ihr eigenes Schicksal, wusste schon der antike Grammatiker Terentianus Maurus. Mein erstes Buch „Mich übersieht keiner mehr. Größere Ausstrahlung gewinnen“ wurde ein Bestseller und sorgte dafür, dass ich im Erscheinungsjahr 145 Tage auf Lesereise war. Der eine oder andere Nachfolger wurde weniger euphorisc...
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