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Gewinn

Cordt Schnibben, Redakteur beim Spiegel,  erhielt zu seinem Dienst-Jubiläum eine Geldprämie. Anstatt sich nun selbst etwas Nettes zu gönnen, hatte er einen großzügigen Einfall: Er wollte 100 Spiegel-LeserInnen zu einem Essen in die Kantine des Hauses einladen. Voraussetzung war, dass man ihm eine wie auch immer geartete Kritik zu dem Blatt schrieb. Für mich als Abonnentin war das ein Anlass, mich endlich einmal lobend über die interessanten Artikel zu äußern.
In einem der nächsten Hefte las ich dann, dass sich etwa 2000 LeserInnen gemeldet hatten.
Nun, das war es dann wohl. Schließlich hatte ich auch noch nie bei einem Preisauschreiben gewonnen.
Umso mehr freute ich mich, als ich plötzlich eine Mail bekam: Ich war dabei!

Es wurde ein interessanter Nachmittag. Der Chefredakteur gab sich die Ehre, unsere Fragen zu beantworten. Der Archivar erzählte mit leidenschaftlichem Funkeln in den Augen, wie das Spiegel-Archiv aufgebaut worden ist.  Und anschließend warf sich der Kantinen-Koch, der ehemals in einem Sterne-Restaurant tätig gewesen war, für das Abendessen ins Zeug. Wir speisten an einem lauen Sommerabend draußen an kleinen Tischen und unterhielten uns bestens.
Was für eine tolle Idee, mal nicht nur an sich zu denken, sondern auch anderen eine Freude zu machen. Und für die Redaktion war es ebenso ein Gewinn, denn so lernte sie ihre Leser und Leserinnen live kennen und erfuhr, was sie sich wünschten und was sie bewegt.

Großzügigkeit bleibt nie ohne Resonanz.


 
 

    

Kommentare

  1. Liebe Frau Dr. Wlodarek, ich freue mich mit Ihnen für diesen Gewinn. Kurz gesagt: "Das Leben ist ein Bumerang!" So sieht das wohl auch Cordt Schnibben. Es wird allerdings schwierig, wenn wir nicht mit Freude geben oder gar Geschenke mit Erwartungen verbinden.

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