Direkt zum Hauptbereich

DAS GROSSE SCHWEIGEN

Kürzlich unterhielt ich mich mit der Chefredakteurin einer sehr erfolreichen Frauenzeitschrift. Was mich beeindruckte: Obwohl sie mehr als genug zu tun hat, nimmt sie sich doch immer die Zeit, etwa einer freien Journalistin, die sich per Mail mit einem Themenvorschlag an sie gewandt hat, auch dann freundlich zu antworten, wenn sie nichts damit anfangen kann. 

Selbstverständlich? Oh nein! Die meisten vielbeschäftigten Menschen - und nicht nur im Verlagswesen - machen sich nicht die Mühe. Kann man nicht brauchen, ist unwichtig, also muss man nicht reagieren. Was sie dabei leider vergessen: Es sind Menschen, die mit ihnen Kontakt aufnehmen, die meist voller Hoffnung auf eine Resonanz warten. Und die nicht einmal einer Absage gewürdigt werden. Oder allenfalls mit einer vorgefertigten Kurzmail, von der Praktikantin abgeschickt .

Natürlich kann man als viel gefragte(r) Berufstätige(r) nicht mit jedem, der es möchte, eine lange Korrespondenz beginnen.  Aber eine persönliche Nachricht müsste möglich sein, aus Respekt vor einer anderen Person.

Ich wünsche alldenen, die andere Menschen durch Missachtung verletzen, dass sie eines Tages am eigenen Leibe erfahren, wie sich das anfühlt. Außerdem - man sieht sich oft zweimal im Leben. Wer weiß, ob nicht diejenigen, die man jetzt keiner Antwort würdigt, irgendwann wichtig sind  und sich  dann bei Gelegenheit erinnern, wie man mit ihnen umgegangen ist.

Dazu eine hübsche Geschichte, die man sich von Akif Pirincci, dem Autor des bekannten Katzen-Romans "Felidae" erzählt . Auf sein Manuskript hin hatte er offenbar die ganze Bandbreite von Entwertung erlebt. Nachdem sein Buch schließlich zum Bestseller geworden war, schickte er sämtlichen betroffenen Verlegern sinngemäß diese Nachricht: "Ich möchte Sie darüber informieren, dass Ihnen durch das ignorante Verhalten Ihres Lektors  sehr viel Geld entgangen ist." 



 . .

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Ruhe bitte!

Die Autorin Regina Kramer schreibt in einem Artikel: „Lärm ist nicht nur eins auf die Ohren, sondern auch auf Psyche.“ Sie hat ja so Recht! Ich weiß, wovon ich rede: Unter unsere Wohnung in einem schönen, aber hellhörigen Altbau sind seit einiger Zeit drei koreanische Musikstudentinnen eingezogen. Seitdem wird gerne zwischen 11.00 Uhr und 19.00 Uhr Geige geübt. Nicht etwa zusammenhängende Melodien, sondern einzelne Töne, die an die Laute einer malträtierte Katze erinnern. Aber mir bleibt ja noch die Flucht ins Büro. Nur, seit einem halben Jahr hat unter meinen Räumen ein Laden für Shishas (Wasserpfeifen) eröffnet. Offenbar ist Musik dem Verkauf förderlich, jedenfalls höre ich die Bässe wummern. Nachdem ich mehrfach wie ein Racheengel im Laden aufgetreten bin, ist es derzeit ruhig. Zu empfindlich? Oh nein, ich habe die Hirnforschung auf meiner Seite: Laute Geräusche mindern die Informationsverarbeitung im Gehirn und blockieren die Kreativität. Aber als Psychologin weiß ich auch...

Das neue Buch ist da!

Der Postzusteller st eht mit einem Päckchen vor der Tür. Oft nehme ich Sendungen für Nachbarn an, die nicht zuhause sind. Aber dieses ist für mich. Ich ahne schon: Darin sind Exemplare von meine m neuen Buch „Vertrau dem Leben. Von A wie Abenteuergeist bis Z wie Zeitreise“, mit meinen eigenen Illustrationen. Ein neugeborenes Kind im Arm zu halten ist ein unglaubliches Gefühl, aber ein neues Buch, ein „geistiges Kind“, zum ersten Mal in den Händen zu halten, ist auch sehr bewegend. Dieses ist mein zwölftes, also schon Teil einer größeren Buch-Familie, aber trotzdem einmalig. Und wie bei einem Säugling weiß man nicht, was daraus wird. „Habent sua fata libelli“ – die Bücher haben ihr eigenes Schicksal, wusste schon der antike Grammatiker Terentianus Maurus. Mein erstes Buch „Mich übersieht keiner mehr. Größere Ausstrahlung gewinnen“ wurde ein Bestseller und sorgte dafür, dass ich im Erscheinungsjahr 145 Tage auf Lesereise war. Der eine oder andere Nachfolger wurde weniger euphorisc...

Und es hat sich doch schon etwas geändert!

Karfreitag war ich als Autorin des Buches "Einsam" zu Gast in der Sendung "Lebenswert" zum Thema "Einsamkeit" im Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main. Es ging darum, wie man es schaffen kann, gut mit sich alleine zu sein und wie sich die schmerzliche Einsamkeit überwinden lässt. Das Besondere der zweistündigen Sendung, die immer zu Feiertagen ausgestrahlt wird, ist, dass Zuhörer und Zuhörerinnen anrufen und sich beteiligen können. Der Moderator Klaus Hofmeister hatte es  thematisch so angelegt, dass es um die positiven Möglichkeiten ging. Vor Beginn hatte er etwas Sorge, dass sich vielleicht niemand zu diesem heiklen Thema melden  würde. Ich tröstete ihn, dass ich gegebenenfalls mit meinen Ratschlägen  locker zwei Stunden füllen könnte. Aber das war wahrhaftig nicht nötig, so viele Männer und Frauen riefen an und teilten mit uns ihre Strategien, Einsamkeit zu überwinden.Ich war absolut begeistert, wie positiv und selbstbestimmt sie ihren Weg gefunden h...