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Posts

Mindere Leistung!

Diese Nachricht hat mich wirklich aufgeregt. Marissa Mayer, 38, Chefin des Internetkonzerns Yahoo, hat ein System eingeführt, mit dem die Leistung der Belegeschaft erfasst werden soll. Danach müssen die Führungskräfte Mitarbeiter regelmäßig in fünf Kategorien einordnen. Wer in einer der letzten Kategorien landet, wird als Minderleister (Low Performer) bezeichnet und muss mit einer Kündigung rechnen. Bereits 600 Mitarbeiter sind nach dieser Methode schon entlassen worden. Nun ist sicher nichts dagegen einzuwenden, dass man einem wirklich unfähigen Mitarbeiter die rote Karte zeigt . Das Perfide bei dieser Auslese ist jedoch, dass Mayer Prozentzahlen für die Leistungskategorien vorgibt. Dadurch fällt automatisch immer eine Gruppe unter die "Minderleister". Die Manager müssen also auch Leute entlassen, die gute Arbeit machen, aber eben nicht in die ersten drei Kategorien passen. Wie dumm und borniert muss man sein, um so etwas durchzusetzen?  Der psychologische Effekt ist verhe...

Schluss jetzt!

Gehen Sie doch einmal Ihren Freundes- und Bekanntenkreis durch und fragen Sie sich ehrlich: Mit wem bin ich wirklich gerne zusammen? Wer tut mir gut? Wer hält auch in Krisen zu mir und unterstützt mich? Oder wer zehrt im Gegenteil immer nur von mir? Wem leihe ich mein Ohr, meine Aufmerksamkeit und meine Energie - aber wenn ich das einmal brauche, hat der andere leider gar keine Zeit?  Natürlich soll und darf man Menschen nicht nur nach ihrer Nützlichkeit für die eigene Person beurteilen. Das ist hier auch nicht gemeint. Vielmehr geht es darum, nicht unbesonnen  alte Beziehungen und Pseudo-Freundschaften aufrecht zu erhalten, die sich längst überholt haben oder die einen über lange Strecken belasten. In dem Fall ist es für alle Beteiligten besser, sich klar und deutlich zu trennen. Dazu las ich kürzlich eine provokante Methode, die mich schmunzeln lies.Es handelt sich um eine Anleitung, den eigenen Anrufbeantworter mit folgendem Text zu besprechen: "Danke für Ihren Anruf. ...

Generation Handy

Gestern beim Walken  im Park: Ein Vater kommt mir entgegen, ein etwa dreijähriges Kind an der Hand, das  Handy am Ohr. Das Kind erzählt etwas, zeigt auf dies und das. Der Vater nickt fahrig in seine Richtung und telefoniert engagiert weiter. Ich kann nicht sagen, wie oft ich dieses Bild in letzter Zeit in Varianten schon  gesehen habe: Mütter, die ihre Babys im Kinderwagen schieben und dabei telefonieren, während der Blick der Kleinen ins Leere geht. Oder Kinder auf dem Spielplatz, die vergeblich die Aufmerksamkeit eines Elternteils suchen, weil der gerade mit seinem IPhone beschäftigt ist. Als Psychologin macht mich das besorgt.Schließlich weiß man doch inzwischen, wie wichtig der Blick der Bezugspersonen ist und wie verheerend es sich auswirkt, wenn man nicht gesehen wird.   Ich will nicht übertreiben - aber wie wird sich das auf die Kinder auswirken, wenn sie weniger wichtig sind als die permanente Beschäftigung mit einem Gerät?   

Sie sind großartig!

Vorige Woche war ich beim Filmfest in Hamburg. Ein besonderes Highlight war die Verleihung des Douglas-Sirk-Preises an die englische Schauspielerin Tilda Swinton. Bevor ihr aktueller Film "Only lovers left alive" - ein sehr witziger und intelligenter Vampirfilm unter der Regie von Jim Jarmusch - gezeigt wurde, hielt man die obligatorischen Reden. Der Organisator des Filmfestes, die Hamburger Kultursenatorin und ein bekannter Regisseur überboten sich förmlich mit Lob für den künstlerisch eigenwilligen und extravaganten Star. Dann trat Tilda Swinton auf die Bühne, um den Preis in Empfang zu nehmen. Vor dem Podium drängelte sich eine Traube von Fotografen und führte vor, warum es "Blitzlichtgewitter" heißt. Souverän ließ es die Preisträgerin. über sich ergehen und bedankte sich dann selbstbewusst und sympathisch für die Laudatio und den Preis. Ich überlegte, wie es wohl gewesen wäre, wenn eine von uns aus dem Publikum da oben gestanden hätte. Vermutlich hätten die me...

Viel Glück!

In letzter Zeit bin ich in Zeitschriften immer wieder auf den Satz "Glück muss man sich erarbeiten" gestoßen. Als Glücksexpertin - ich habe schließlich meine Dissertation darüber geschrieben - kann ich das natürlich nicht unkommentiert lassen. Nun ja, so manches Glück wird einem einfach geschenkt, wie zum Beispiel ein gesundes Kind oder eine wunderbare Stimme. Aber darüber hinaus hat der Satz durchaus seine Berechtigung, und zwar in mehrfacher Hinsicht: Wenn wir aus dem, was uns gegeben ist, nichts machen, ist es mit dem Glück schnell vorbei. Und  noch wichtiger: Glück ist ein Gefühl, das von äußeren Umständen zwar befördert werden kann, letztlich aber davon unabhängig ist. Das beweisen Untersuchungen mit Lottogewinnern und Unfallopfern. Nach einem ersten Glückstaumel bzw. Schock pendelte sich der Gemütszustand beider Gruppen auf die ursprüngliche Frequenz ein. Die positiven und negativen Erlebnisse wirkten sich also letztlich kaum auf das Glücksgefühl  aus. W...

Choupette

So viel Zeit habe ich schon lange nicht mehr vor dem Fernseher verbracht, aber es war auch psychologisch zu interessant: Auf VOX gab es einen Abend über den Designer Karl Lagerfeld unter dem Titel "Mode als Religion". Eindeutig, der Mann ist der Papst der Modeszene. Kreativ, brillant. Er versteht sein Handwerk.  Und nicht nur das, ebenso ist er ein Meister der Selbstinszenierung.Dafür setzt er geschickt alle dazu nötigen Verhaltensweisen ein. Wie etwa diese: Distanz wahren, Unabhängigkeit zelebrieren. Selbstironie zeigen. Intelligente Statements abgeben. Auf noble Weise bescheiden sein ("Ich bin doch nicht der Sonnenkönig, das ist albern). Großzügig sein. Günstlinge mit Wohlwollen bestrahlen. Optisch unverwechselbar sein.  Ich fand es faszinierend, wie sich das auswirkt. Seine Mitarbeiter setzen sich vor lauter Respekt selbst unter Druck setzten. "Ich hoffe, das Karl das gefällt."  "In einer Stunde kommt Karl und will sich das ansehen. Bis dahin müssen w...

TRAGISCH

 "Tschick", ein Roman von Wolfgang Herrndorf, wurde mir 2010 vom Verlag zugeschickt. Der Klappentext wies ihn als Abenteuerfahrt zweier jugendlicher Ausreißer aus, die auf ihrem Weg durch den wilden Osten den Geheimnissen des Lebens begegnen. Nun ja, nicht gerade ein Thema, das mich brennend interessierte. Irgendwann fing ich dann doch an zu lesen - und war hingerissen. " Es ist diese Zartheit, die sich allein über den Ton vermittelt, die eine Kameradschaft, Zugehörigkeit und Identifikation erzeugt, der sich kein Leser entziehen kann und will" schwärmte der Spiegel zu Recht. "Tschick" wurde ein Sensationserfolg, verkaufte sich über eine Millionen mal. Der Traum jedes Autors, was für ein Glück. Und dann:  Im Frühjahr 2010 wurde bei Wolfgang Herrndorf ein bösartiger Gehirntumor diagnostiziert. Mit aller Kraft kämpfte er gegen die Krankheit, aber ohne Erfolg. Nach einem Arztbesuch mit endgültig hoffnungslosem Befund hat sich Wolfgan...