Direkt zum Hauptbereich

Rollenspiel

Ein Wahlkampf ist nicht nur in puncto Politik interessant, sondern auch eine Fundgrube für psychologische Überlegungen.  
Der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat einem „Spiegel“-Reporter  erlaubt, ihn während dieser Zeit wochenlang zu begleiten. Nach der Wahl ist der Artikel dazu im Magazin erschienen. Der Blick hinter die Kulissen zeigt die Anstrengungen, das emotionale Auf- und Ab und auch die Schwächen von Schulz während des Wahlkampfes.
An dieser ehrlichen Darstellung scheiden sich die Geister. Die einen loben die Authentizität und Menschlichkeit des Kandidaten, die anderen schütteln den Kopf über so viel Selbstentblößung (siehe Spiegel-Leserbriefe).
Als Psychologin und Coach für Auftritte sehe ich das so: Wer sich in eine Rolle begibt, sollte sich dieser Rolle entsprechend verhalten. Zum Beispiel: Als ich noch als Psychotherapeutin tätig war, habe ich meinen Klienten auch nicht von meinen eigenen Problemen erzählt oder bin vor ihnen in Tränen ausgebrochen, weil mich ihre Geschichte so sehr berührte. Bei aller Empathie verlangte die Rolle eine notwendige Distanz. Deshalb, so interessant es auch ist, Hintergründe zu erfahren - Schulz hat Privates und Öffentliches vermischt und ist damit seiner Rolle nicht gerecht geworden. Authentizität wäre vielmehr an anderer Stelle gefragt gewesen: Sich von falschen Spindoktoren nicht verbiegen zu lassen.


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Das neue Buch ist da!

Der Postzusteller st eht mit einem Päckchen vor der Tür. Oft nehme ich Sendungen für Nachbarn an, die nicht zuhause sind. Aber dieses ist für mich. Ich ahne schon: Darin sind Exemplare von meine m neuen Buch „Vertrau dem Leben. Von A wie Abenteuergeist bis Z wie Zeitreise“, mit meinen eigenen Illustrationen. Ein neugeborenes Kind im Arm zu halten ist ein unglaubliches Gefühl, aber ein neues Buch, ein „geistiges Kind“, zum ersten Mal in den Händen zu halten, ist auch sehr bewegend. Dieses ist mein zwölftes, also schon Teil einer größeren Buch-Familie, aber trotzdem einmalig. Und wie bei einem Säugling weiß man nicht, was daraus wird. „Habent sua fata libelli“ – die Bücher haben ihr eigenes Schicksal, wusste schon der antike Grammatiker Terentianus Maurus. Mein erstes Buch „Mich übersieht keiner mehr. Größere Ausstrahlung gewinnen“ wurde ein Bestseller und sorgte dafür, dass ich im Erscheinungsjahr 145 Tage auf Lesereise war. Der eine oder andere Nachfolger wurde weniger euphorisc...

Ruhe bitte!

Die Autorin Regina Kramer schreibt in einem Artikel: „Lärm ist nicht nur eins auf die Ohren, sondern auch auf Psyche.“ Sie hat ja so Recht! Ich weiß, wovon ich rede: Unter unsere Wohnung in einem schönen, aber hellhörigen Altbau sind seit einiger Zeit drei koreanische Musikstudentinnen eingezogen. Seitdem wird gerne zwischen 11.00 Uhr und 19.00 Uhr Geige geübt. Nicht etwa zusammenhängende Melodien, sondern einzelne Töne, die an die Laute einer malträtierte Katze erinnern. Aber mir bleibt ja noch die Flucht ins Büro. Nur, seit einem halben Jahr hat unter meinen Räumen ein Laden für Shishas (Wasserpfeifen) eröffnet. Offenbar ist Musik dem Verkauf förderlich, jedenfalls höre ich die Bässe wummern. Nachdem ich mehrfach wie ein Racheengel im Laden aufgetreten bin, ist es derzeit ruhig. Zu empfindlich? Oh nein, ich habe die Hirnforschung auf meiner Seite: Laute Geräusche mindern die Informationsverarbeitung im Gehirn und blockieren die Kreativität. Aber als Psychologin weiß ich auch...

Waldbaden

Hätten Sie´s gewusst? Rund ein Drittel Deutschlands ist von Wald bedeckt. Wohl jeder von uns dürfte also zumindest ein Wäldchen in der Nähe haben und gelegentlich in seiner Freizeit einen Waldspaziergang machen. Gewiss hat man dann auch schon erlebt, wie erholsam es ist, sich bei Vogelgezwitscher unter Buchen, Tannen oder Eichen fortzubewegen. Doch diese einfache Freude erhält jetzt eine schicke Überhöhung. Der neue Trend heißt „Baden in der Waldluft“. Er kommt aus Japan, wo er unter dem Begriff „Shirin-Yoku“ bekannt ist. Durch Ruhe, bewusstes Atmen und Spüren der Natur soll Stress vermindert werden. Aha! Inzwischen werden schon für teures Geld Kurse in Waldbaden angeboten. Für mein Shirin-Yoku in den Wäldern um den Plöner See brauche ich zum Glück keine Anleitung.