Samstag, 28. Juli 2012

Den Eltern verzeihen

Liebe Mitreisende aus dem ICE nach Hamburg,

Sie haben meine Visitenkarte, weil Sie sich gerne auf meiner Website meine Bücher ansehen wollten , aber ich habe leider keine Kontaktdaten von Ihnen. Deshalb versuche ich auf diesem Wege, Ihnen noch nachträglich eine Hinweis zu geben. Ich hoffe, Sie lesen diesen Blog.

Wir saßen allein im Abteil und kamen ins Gespräch. Sie erzählten mir, dass es zwischen Ihnen und Ihrer erwachsenen Tochter Spannungen gibt, weil  Ihre Tochter Ihnen Dinge vorwirft, die schon Jahrzehnte zurückliegen, objektiv gesehen nichts Gravierendes. Aber Ihre Tochter kann es Ihnen nicht verzeihen.
Nach meiner Einschätzung sind Sie klug und einfühlsam mit dem Vorwurf umgegangen, aber es hat nichts genützt.

Sie sind mit Ihrem Kummer nicht allein.Es kommt häufig vor, dass erwachsene Kinder ihr aktuelles Unglücklichsein den Eltern anlasten, die sich nicht ideal verhalten haben. (Und dabei ist nicht Missbrauch  oder Gewalt. gemeint, sondern ein normales menschliches Fehlverhalten.)

Bei allem Recht auf die eigenen Gefühle der Trauer oder Wut, die auch ausgedrückt werden dürfen -  auf die Dauer bringt es nicht weiter, wenn man in der Vergangenheit hängenbleibt. Als erwachsener Mensch kann man sein Leben selbst in die Hand nehmen.Wer sein Unglück oder Versagen immer noch seinen Eltern anlastet und sich nicht zumindest zur Verarbeitung kompetente Hilfe sucht, macht sich zum passiven Opfer.

Gerne wollte ich Ihnen Literatur zu diesem Thema empfehlen, doch  leider fiel mir nicht sofort ein Titel ein. Deshalb trage ich ihn jetzt nach:
Ursula Nuber : Lass die Kindergheit hinter dir. (DTV 9,90 €).

Ich wünsche Ihnen und ihrer Tochter, dass Sie bald wieder zueinander finden. Es wäre schade um so viel Liebe. 








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