Meine Großmutter war skeptisch gegenüber Billigangeboten. „Was
nichts kostet, ist nichts“, pflegte sie zu sagen. In puncto Wein hätte sie
damit allerdings Unrecht gehabt. Wissenschaftler der Universität Bonn haben
herausgefunden, dass wir auf ein sogenanntes Marketing-Placebo hereinfallen: „Der
Tropfen ist teuer? Dann muss er ja gut sein“ Verantwortlich dafür ist unser Belohnungssystem im Gehirn. Das wird bei
höheren Preisen deutlich lebhafter aktiviert und verstärkt so das Geschmackserlebnis.
Zum Nachweis hatten die Forscher Versuchspersonen, die im Kernspintomografen
lagen, Wein zur Verkostung gegeben. Die Qualität war immer dieselbe, nur der
vermeintliche Preis schwankte zwischen 3 € und 18 €. Wie erwartet gaben die
Probanden an, dass der teurere Wein besser schmeckt. Dabei zeigten die
Aufnehmen im Kernspintomografen, dass bei höherem Preis die für Belohnung und
Motivation zuständigen Gehirnareale besonders aktiv waren. Erinnern Sie sich an den arroganten Ausspruch des ehemaligen
Kanzlerkandidaten Steinbrück, ihm käme kein Wein unter 5 € über die Zunge?
Offenbar ist er nur ein Opfer des Marketing-Placebo-Effekts.
Hätten Sie´s gewusst? Rund ein Drittel Deutschlands ist von Wald bedeckt. Wohl jeder von uns dürfte also zumindest ein Wäldchen in der Nähe haben und gelegentlich in seiner Freizeit einen Waldspaziergang machen. Gewiss hat man dann auch schon erlebt, wie erholsam es ist, sich bei Vogelgezwitscher unter Buchen, Tannen oder Eichen fortzubewegen. Doch diese einfache Freude erhält jetzt eine schicke Überhöhung. Der neue Trend heißt „Baden in der Waldluft“. Er kommt aus Japan, wo er unter dem Begriff „Shirin-Yoku“ bekannt ist. Durch Ruhe, bewusstes Atmen und Spüren der Natur soll Stress vermindert werden. Aha! Inzwischen werden schon für teures Geld Kurse in Waldbaden angeboten. Für mein Shirin-Yoku in den Wäldern um den Plöner See brauche ich zum Glück keine Anleitung.
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