Meine Großmutter war skeptisch gegenüber Billigangeboten. „Was
nichts kostet, ist nichts“, pflegte sie zu sagen. In puncto Wein hätte sie
damit allerdings Unrecht gehabt. Wissenschaftler der Universität Bonn haben
herausgefunden, dass wir auf ein sogenanntes Marketing-Placebo hereinfallen: „Der
Tropfen ist teuer? Dann muss er ja gut sein“ Verantwortlich dafür ist unser Belohnungssystem im Gehirn. Das wird bei
höheren Preisen deutlich lebhafter aktiviert und verstärkt so das Geschmackserlebnis.
Zum Nachweis hatten die Forscher Versuchspersonen, die im Kernspintomografen
lagen, Wein zur Verkostung gegeben. Die Qualität war immer dieselbe, nur der
vermeintliche Preis schwankte zwischen 3 € und 18 €. Wie erwartet gaben die
Probanden an, dass der teurere Wein besser schmeckt. Dabei zeigten die
Aufnehmen im Kernspintomografen, dass bei höherem Preis die für Belohnung und
Motivation zuständigen Gehirnareale besonders aktiv waren. Erinnern Sie sich an den arroganten Ausspruch des ehemaligen
Kanzlerkandidaten Steinbrück, ihm käme kein Wein unter 5 € über die Zunge?
Offenbar ist er nur ein Opfer des Marketing-Placebo-Effekts.
Neulich habe ich mal wieder festgestellt: Man kann sich nicht nur über essen , sondern auch über lesen . Die Neigung, Bücher zu verschlingen (welch passendes Wort!), hat sich allerdings bei mir schon früh gezeigt. Als Kind habe ich nächtelang mit der Taschenlampe Karl-May-Bücher gelesen und mich dabei komplett in die Prärie oder ins wilde Kurdistan geträumt. 500 Seiten? Ein Kinderspiel. Heutzutage fehlt mir zu exzessivem Lesen meist die Zeit, so dass ich Bücher nur in Häppchen lese. Da kommt pro Woche auch ganz nett etwas zusammen, wie man - als Spitze des Eisbergs - meinem Rezensionsblog (wlodarek-rezensionen.blogspot.de) entnehmen kann. Doch manchmal knüpfe ich an die früheren Zeiten an und lese nonstop. Wie am vergangenen Wochenende. Anschließend ging es mir gar nicht gut. Weil ich vergessen hatte, dass sich intensive Lektüre auswirkt. Sich ein Buch mit negativem Inhalt, und sei es noch so gut geschrieben, ´reinzuziehen bekommt einem ohnehin selten, doch wenn man sich dann ...
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