Direkt zum Hauptbereich

Ein Herz haben



Hamburg zur Rush-hour. Eine Ausfallstraße, auf allen drei Spuren fahren die Autos dicht an dicht. Plötzlich hält ein Lkw auf der mittleren Spur und schaltet die Warnblinklage an. Der Fahrer springt aus dem Wagen, stoppt mit einer Handbewegung alle Autos und läuft zu der schmalen Verkehrsinsel, die die Bahnen der verschiedenen Fahrtrichtungen trennt.  
Dort steht ein alter Mann, klein, krumm, sichtbar verzweifelt. Er möchte über die Straße und steht hilflos da – wer weiß, wie lange schon. Der Lkw-Fahrer, ein junger Mann, fasst ihn an der Hand und bringt ihn über alle Fahrstreifen auf die andere Seite. Dann springt er in seinen Lkw und fährt davon. Alle Autos setzen sich wieder in Bewegung.
Als ich diese kleine Notiz, erlebt von Peter Gudelius, im Hamburger Abendblatt las, bekam ich feuchte Augen. Er schreibt zu diesem Erlebnis: „Was wie ein Märchen vom guten Menschen klingt, der junge Mann hat es wahr gemacht.“  
Wir sollten viel öfter unserem Herzen folgen.

Kommentare

  1. Ein sehr mutiger Mann mit Herz und Verstand! Ich finde es wunderbar, wenn Menschen ihre Mitmenschen sehen.

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Schwere Kost

Neulich habe ich mal wieder festgestellt: Man kann sich nicht nur über essen , sondern auch über lesen . Die Neigung, Bücher zu verschlingen (welch passendes Wort!), hat sich allerdings bei mir schon früh gezeigt. Als Kind habe ich nächtelang mit der Taschenlampe Karl-May-Bücher gelesen und mich dabei komplett in die Prärie oder ins wilde Kurdistan geträumt. 500 Seiten? Ein Kinderspiel. Heutzutage fehlt mir zu exzessivem Lesen meist die Zeit, so dass ich Bücher nur in Häppchen lese. Da kommt pro Woche auch ganz nett etwas zusammen, wie man - als Spitze des Eisbergs - meinem Rezensionsblog (wlodarek-rezensionen.blogspot.de) entnehmen kann. Doch manchmal knüpfe ich an die früheren Zeiten an und lese nonstop. Wie am vergangenen Wochenende. Anschließend ging es mir gar nicht gut. Weil ich vergessen hatte, dass sich intensive Lektüre auswirkt. Sich ein Buch mit negativem Inhalt, und sei es noch so gut geschrieben, ´reinzuziehen bekommt einem ohnehin selten, doch wenn man sich dann ...

Und es hat sich doch schon etwas geändert!

Karfreitag war ich als Autorin des Buches "Einsam" zu Gast in der Sendung "Lebenswert" zum Thema "Einsamkeit" im Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main. Es ging darum, wie man es schaffen kann, gut mit sich alleine zu sein und wie sich die schmerzliche Einsamkeit überwinden lässt. Das Besondere der zweistündigen Sendung, die immer zu Feiertagen ausgestrahlt wird, ist, dass Zuhörer und Zuhörerinnen anrufen und sich beteiligen können. Der Moderator Klaus Hofmeister hatte es  thematisch so angelegt, dass es um die positiven Möglichkeiten ging. Vor Beginn hatte er etwas Sorge, dass sich vielleicht niemand zu diesem heiklen Thema melden  würde. Ich tröstete ihn, dass ich gegebenenfalls mit meinen Ratschlägen  locker zwei Stunden füllen könnte. Aber das war wahrhaftig nicht nötig, so viele Männer und Frauen riefen an und teilten mit uns ihre Strategien, Einsamkeit zu überwinden.Ich war absolut begeistert, wie positiv und selbstbestimmt sie ihren Weg gefunden h...

Waldbaden

Hätten Sie´s gewusst? Rund ein Drittel Deutschlands ist von Wald bedeckt. Wohl jeder von uns dürfte also zumindest ein Wäldchen in der Nähe haben und gelegentlich in seiner Freizeit einen Waldspaziergang machen. Gewiss hat man dann auch schon erlebt, wie erholsam es ist, sich bei Vogelgezwitscher unter Buchen, Tannen oder Eichen fortzubewegen. Doch diese einfache Freude erhält jetzt eine schicke Überhöhung. Der neue Trend heißt „Baden in der Waldluft“. Er kommt aus Japan, wo er unter dem Begriff „Shirin-Yoku“ bekannt ist. Durch Ruhe, bewusstes Atmen und Spüren der Natur soll Stress vermindert werden. Aha! Inzwischen werden schon für teures Geld Kurse in Waldbaden angeboten. Für mein Shirin-Yoku in den Wäldern um den Plöner See brauche ich zum Glück keine Anleitung.